VEREIN



Chronik des Dombau-Vereins Wetzlar e.V. - Vorbemerkung

Seit mehr als 163 Jahren engagieren sich Bürgerinnen und Bürger in Wetzlar, um das prominenteste Bauwerk der Stadt, die Stadtkirche Unserer lieben Frau, zu erhalten. Die ursprünglich katholische Stifts- und Stadtkirche dient seit 1561 auch einer evangelischen Gemeinde als Gotteshaus und zählt damit zu den wenigen Simultankirchen Deutschlands. In loyaler Verantwortung für ein gemeinsames Kirchengebäude wird hier das gepflegt, was die beiden christlichen Konfessionen verbindet. Die Fürsorge für den "Wetzlarer Dom", wie die Kirche seit 1702 mit Stolz und Respekt, wenn auch sachlich nicht ganz zutreffend bezeichnet wird, ist darüber hinaus allen Wetzlarer Bürgerinnen und Bürgern, Institutionen und Unternehmen ein herzliches Anliegen. Die nachfolgende kleine Chronik stützt sich dankbar auf vorliegende Arbeiten zur Geschichte des Wetzlarer Doms und der drei Dombau-Vereine, die seit 1857 die Erhaltung des Kirchengebäudes unterstützt haben.
[1] Daneben konnte eine Dokumentation eingesehen und benutzt werden, die Otto Jung, der frühere Vorsitzende des Wetzlarer Dombau-Vereins, angelegt hat. Er hatte auch den Wunsch nach einer Aktualisierung der Chronik, den die damalige Vorsitzende Ruth Viehmann aufgegriffen hat. Dem Historischen Archiv der Stadt Wetzlar und den Städtischen Museen Wetzlar sei für die bereitwillige, kostenlose Bereitstellung des Abbildungsmaterials aufrichtig gedankt.

Zur Finanzierungsgeschichte des Wetzlarer Doms

Das Besondere am Engagement der Wetzlarer Dombau–Vereine lässt sich durch einen kurzen Blick auf die Geschichte der Finanzierung des Wetzlarer Dombaus erkennen. Immer wieder haben Mitglieder des Stifts und der katholischen, später auch der evangelischen Stadtgemeinde, die wechselnden Landesherren und die Stadt Wetzlar durch besondere Zuwendungen zur Verschönerung und zum Erhalt der Kirche beigetragen. Die kontinuierliche Mitbeteiligung eines Vereins an diesen Aufgaben ist dagegen eine verhältnismäßig junge Erscheinung, die mit der Geschichte des Bauwerks selbst, aber auch mit der deutschen Geschichte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verknüpft ist.

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"Heidenturm" und Heidenportal" der spätromanischen Kirche. Bauzustand vor 1903

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Ansicht der Nordseite der heute bestehenden Kirche. Bauzustand vor 1903. Beide Bauaufnahmen von Ernst Stiehl

Als um die Mitte des 10. Jahrhunderts zwei Grafen aus dem bedeutenden Adelsgeschlecht der Konradiner in Wetzlar ein Marienstift gründeten und diesem die bereits bestehende, 897 geweihte Salvatorkirche als Stiftskirche übertrugen, übernahm das neugegründete und mit Einnahmequellen, Rechten und Pflichten ausgestattete Stift auch Kosten für spätere Aus- und Umbauten dieser Kirche. Weil sich um das Stift ein prosperierender Marktort bildete, der 1141 erstmals urkundlich mit Namen genannt wurde, vor 1160 die Reichsburg Kalsmunt erhielt und 1180 von Kaiser Friedrich Barbarossa als Reichsstadt in bereits bestehenden Rechten bestätigt wurde, war auch eine bürgerliche Stadtgemeinde entstanden, der die Stiftskirche als Stadtpfarrkirche diente. Im Mittelalter trug üblicherweise die Pfarrei die Kosten für Bauarbeiten an ihrer Pfarrkirche, weshalb auch die Wetzlarer Bürger an den jeweiligen Bau- und Reparaturkosten ihrer Pfarrkirche zu beteiligen waren. Weil in einer gemeinsamen und gar gleichberechtigten Trägerschaft von Stift und Stadtgemeinde an den Baulasten offenbar beträchtliches Potential für zukünftige Unstimmigkeiten lag, hatte sich das Marienstift wiederholt bestätigen lassen, dass die Stadtpfarre dem Stift inkorporiert war. Das bedeutete, dass die Einkünfte aus der Stadtpfarre in vollem Umfang dem Stift zuflossen, so dass letztlich doch die Stiftsherren alleine das jeweilige Baugeschehen bestimmen konnten. Auf dieser Basis erfolgte im 12. Jahrhundert zwischen 1170 und 1190 der Bau einer neuen, wesentlich größeren Kirche in den Formen der Spätromanik, von der bekanntlich noch Reste der Westfassade mit Heidentor und Heidenturm erhalten sind. Im 13. und 14. Jahrhundert ist die Finanzierungsgeschichte durch zahlreiche Auseinandersetzungen um die Beteiligung der Bürger am Baugeschehen rund um die Stifts- und Stadtkirche geprägt. Verschärft hatten sich diese Streitigkeiten, als das Stift schon um 1220 den Bau einer neuen, noch größeren Stiftskirche plante und kurz vor 1230 tatsächlich mit dem Bau dieser - der heute noch bestehenden - Kirche begann.

Auch ein noch so kurzer Blick in die Geschichte der Finanzierung des eindrucksvollen Bauwerks, das damals schrittweise entstand, muss den Eintritt der Reformation im frühen 16. Jahrhundert berücksichtigen, in deren Folge schließlich um die Mitte des Jahrhunderts als dritter Träger der Baulast eine evangelisch–lutherische Gemeinde zu den beiden bisher Beteiligten hinzutrat. Als schließlich 1806 das Marienstift durch die Säkularisation aufgelöst wurde, schied damit der älteste Bauträger aus dem Kreis der Verantwortlichen für den Unterhalt der Kirche aus.

Gelegentlich – so insbesondere nach dem Dreißigjährigen Krieg - war die Reichsstadt Wetzlar mit nennenswerten Zuschüssen zur Bauunterhaltung aufgetreten, weil in der Kasse des Bauhofs die jeweils erforderlichen Mittel fehlten. Daraus ist nicht zu schließen, dass die Stadt als Körperschaft sich zwischenzeitlich zur Beteiligung an den Baulasten verpflichtet hätte. Wenn sie sich heute vertragsgemäß an der Unterhaltung des Doms beteiligt, so hat diese Beteiligung ihre eigene kleine Geschichte.

Als nämlich Wetzlar mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation 1806 den Status einer Reichsstadt verlor und auch das Marienstift aufgehoben wurde, erwartete man nun, wenn die örtlichen Mittel nicht ausreichten, Hilfe von den wechselnden Landesherren beim Unterhalt des Wetzlarer Doms. 1806 war der letzte Kurfürst und Reichserzkanzler des Alten Reichs, der Erzbischof von Mainz und Regensburg Carl Theodor von Dalberg, als Großherzog von Frankfurt und Graf von Wetzlar Landesherr geworden. Nur neun Jahre später trat nach dem Wiener Kongress dann das Königreich Preußen an seine Stelle, zu dessen erweiterter Rheinprovinz Wetzlar nunmehr gehörte. Carl Theodor von Dalberg als Rechtsnachfolger des aufgelösten Marienstifts ließ wohl nur die damals dringendsten Reparaturarbeiten an der Nordwand des Doms ausführen und die ebenfalls dringliche Neueindeckung des Dachs über dem Chor planen. Sie wurde jedoch erst 1823 unter preußischer Oberhoheit ausgeführt – allerdings sehr fehlerhaft und somit Ursache für mancherlei Nachbesserungen. Unter dem Gesichtspunkt der Domerhaltung lag von Dalbergs größter Verdienst sicherlich in der von ihm 1808 eingeführten Regelung für die Aufteilung der jeweils anfallenden Baukosten auf die verschiedenen Leistungsträger. Seine Regelung sah vor, dass die evangelische und die katholische Domgemeinde je 9/24, der später nach ihm benannte Dalberg'sche Kirchen- und Schulfonds, in den er zum Teil Vermögen und Einkünfte des Marienstifts überführt hatte, 2/24 und die "öffentliche Hand" 4/24 der jeweils anfallenden Baukosten übernahmen.

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Der Dom zu Wetzlar mit der "Alten Wache" um 1810. Anonyme kolorierte Umrissradierung

Die Stadt Wetzlar trat hier noch nicht unter den Kostenträgern auf, sondern als "öffentlichen Hand" war in diesem Fall der "Staat" anzusehen, also das Dalberg'sche Territorium. Dessen Beteiligung erklärte sich aus dem Umstand, dass das Marienstift seit dem Mittelalter für von ihm übernommene "obrigkeitliche" Aufgaben - z.B. die Verwaltung der weltlichen Gerichtsbarkeit, die Wahrnehmung des Marktrechts, die Verwaltung der Lehen, die Armen- und Krankenpflege u.a. – eine Umlage, den sog. Probsteizehnten, erhoben und daraus auch den Dom und seine Unterhaltung mitfinanziert hatte. Diese Einkünfte mit den damit verbundenen Verpflichtungen waren nun an den Landesherrn v. Dalberg gefallen und wurden auch noch nach 1815 vom Königreich Preußen übernommen. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Neuregelung der Verteilung des ehemaligen Probsteizehnten, indem nunmehr die Stadt die Hälfte der Einnahmen daraus erhielt und damit automatisch auch 2/24 der Bau- und Unterhaltungskosten des Wetzlarer Doms übernahm, also denselben Kostenanteil, der auch vom Dalberg'schen Kirchen- und Schulfonds getragen wurde. Die noch fehlenden 2/24 der Kosten wurden vom Landkreis, also vom preußischen Staat übernommen, fielen später aber den beiden Kirchengemeinden zu. Im Rahmen einer Neufassung der Satzung der Dombauverwaltung wurde 1982 die Kostenverteilung folgendermaßen geregelt: Die beiden Kirchengemeinden tragen je fünf Zwölftel der Baulast, der Dalberg'sche Kirchenfonds und die Stadt Wetzlar je ein Zwölftel. Die heute geltende Regelung stützt sich letztlich also auf eine mehr als 163 Jahre alte Umverteilung des mittelalterlichen "Probsteizehnten".

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Gerhard v. Reutern (1794-1865) Der Dom zu Wetzlar. Aquarell, dat. 21.März 1834

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Friedrich Deiker d.J. (1820-1836) Der Dom zu Wetzlar mit der Alten Wache. Aquarell, 1835

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Älteste Innenansicht des Doms zu Wetzlar im Gesangbuch der evangelischen Kirchengemeinde Kupferstich (Ausschnitt) 1751
Im nördlichen Seitenschiff (links) sind die hölzernen Emporen für die evangelischen Mitglieder des Reichskammergerichts sichtbar. Sie wurden 1837 im Zuge der Innenraumrenovierung entfernt. Ebenfalls sichtbar ist rechts hinten die sog. "Bicken-orgel", die sich seit 1648 an dieser Stelle befand, 1686 auf den Lettner umgesetzt und dort 1758 durch eine neue Orgel ersetzt wurde.

Es war zu erwarten, dass das Interesse an der Kirchenerhaltung auch durch die konfessionelle Ausrichtung der neuen Landesherren mitbestimmt wurde. Auswirkungen einer spezifisch katholisch ausgerichteten Kirchenpolitik können für die kurze Zeit der Dal-

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Friedrich Christian Reinermann, Blick auf Wetzlar von Nordosten. Im Hintergrund die Burgruine Kalsmunt. Sepiatuschzeichnung, vor 1818

berg'schen Regierung indessen nicht festgestellt werden. Das änderte sich, als Wetzlar an das evangelische Preußen fiel. Insbesondere das persönliche Engagement des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. hatte gravierende Folgen für die Ausgestaltung des Gotteshauses [2].

Nachdem eine besondere Kollekte 2.000 Reichstaler erbracht hatte und durch eine nennenswerte Spende des preußischen Königs [3] noch fehlende Mittel hinzugekommen waren, ging 1837 ging die evangelische Gemeinde an die längst überfällige Innenrenovierung des von ihr genutzen Lang- und Querhauses. Zuerst wurden die immer noch hier stehenden 22 mittelalterlichen Altäre abgebaut. War wegen der schlichten Gestaltung der Altäre, die als steinerne Altartische überwiegend ohne Aufsätze, Altargemälde u.a. ausgeführt waren, dieser Verlust weniger schmerzlich, so muss man die Zerstörung des 1507 gestifteten spätgotischen Sakramentshauses im südlichen Arm des Querhauses zutiefst bedauern. Es war aus Marmor gearbeitet und hatte eine Höhe von ca. sieben Metern. Detaillierte Angaben über sein Aussehen fehlen, doch erwähnen alle zeitgenössischen Quellen stets "Säulen" als besonderes Merkmal. Die in anderen Kirchen überlieferten zeitgleichen Sakramentshäuser, in denen das Allerheiligste aufbewahrt wurde, vermitteln eine lebhafte Anschauung vom Bestreben spätmittelalterlicher Steinmetze, die filigranen Architekturen dieser kostbaren "Häuser im Haus" mit größter Kunstfertigkeit und Fantasie zu gestalten. Auch die als Bildhauerarbeiten ausgeführten Szenen aus der Leidensgeschichte Christi – Geißelung, Dornenkrönung, Kreuztragung und Kreuzabnahme - die sich im Langhaus befanden, jedoch durch Brettereinschalungen der Betrachtung entzogen waren, wurden entfernt. Nur die Statuen des kreuztragenden Christus und die bekannte "Pietà" blieben erhalten. Ebenfalls demontierte man die beiden hölzernen Emporen, die im frühen 18. Jahrhundert für die evangelischen Mitglieder des Reichskammergerichts in den Seitenschiffen eingebaut worden waren. Die Orgelempore an der Westwand des Mittelschiffs wurde neugotisch gestaltet, harmonierte danach aber nicht ideal mit den markanten frühklassizistischen Formen, die den Prospekt der Stumm–Orgel aus dem Jahr 1785 charakterisierten. Das traditionelle, aber völlig uneinheitliche Kirchengestühl der begüterten Wetzlarer Familien wich einer einheitlichen Ausstattung mit Kirchenbänken.

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Der Dom zu Wetzlar mit der "Alten Wache". Lithographie von Georg Kitterle nach G. Krafft, Wetzlar, um 1825

Man muss davon ausgehen, dass es die persönliche finanzielle Beteiligung des evangelischen preußischen Königs an der Innenrestaurierung war, die die evangelische Stadtgemeinde ermutigte, gegen den Einspruch der katholischen Gemeinde diese zum Teil brachiale "Reinigung" des Lang- und Querhauses und der Seitenschiffe im Sinn einer reformatorisch nüchternen, bildarmen Kircheninnenraumgestaltung durchzusetzen. Die katholische Gemeinde sah sich ihrerseits zum Handeln aufgerufen und nahm einige Veränderungen im Chor vor, der traditionell von ihr genutzt wurde. Rechts und links vom Hochaltar wurden tapisserieähnliche Malereien mit Szenen aus dem Marienleben – Verkündigung und Geburt Jesu – angelegt, die dem Zeitgeschmack entsprechend präraffaelitisch–nazarenisch ausgeführt waren. Ob auch die Gesamtausmalung des Chors mit stilisierten Pflanzenornamenten in diese Zeit fiel, lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Außerdem finanzierte die Gemeinde aus eigenen Mitteln eine neue Orgel, die wie ihre Vorgängerin aus dem Jahr 1758 auf dem Lettner Platz fand [4]. Nun erschienen erstmals der evangelische und der katholische Kirchenbereich stilistisch unterschieden, zumal auch die Fenster im Chor bald danach neu gestaltet wurden.

Partnerschaft für historische Kirchen

Historische Bauwerke, zu denen an vorderster Stelle historische Sakralbauten, also Kirchen, Kapellen und Klöster zu zählen sind, unterliegen unterschiedlichen Einflüssen, die den Baubestand beanspruchen und zum Teil auch gefährden. Alle beim Bau verwendeten Materialien erleiden natürliche Veränderungen, aber selbst bei schonender bestimmungsgemäßer Nutzung eines Bauwerks gilt hier der Grundsatz, dass jeder Gebrauch zwangsläufig den Verbrauch einschließt. In historischer Zeit war die Verwendung offener Flammen und glimmender Materialien – Kerzen und Weihrauch - mit entsprechender Rauch- und Rußentwicklung in den Kirchenräumen selbstverständlich. In den in aller Regel nicht beheizbaren Kirchenräumen kam es bei Gottesdiensten durch die Atemluft der versammelten Menschen zu kurzzeitigen starken Feuchtigkeitseinträgen und entsprechenden Kondensationserscheinungen an Mauern und Fenstern. Als seit dem späten 19. Jahrhundert Heizungen in Kirchen eingebaut wurden, traten andere Schäden auf: Starke, kurzzeitige Temperaturwechsel führten vor allem an Holzobjekten und Tafelbildern zu Spannungs- und Schrumpfungsprozessen, aber auch Kirchenfenster wurden in Mitleidenschaft gezogen. Zur naturgemäßen Abnutzung von Fußböden, Türen und Mobiliar konnten Veränderungen am Baukörper wie Erweiterungen, aber auch stilistische Geschmacksumbrüche hinzu treten. So hat z. B. die Barockisierung vieler Kirchen im 17. und 18. Jahrhundert nicht nur zum Verlust älterer Kunstwerke und mittelalterlicher Glasfenster, sondern oft auch zu Eingriffen an Dachstühlen und Gewölben geführt, die das "modernisierte" Erscheinungsbild des Kircheninnern meist nicht erkennen ließ.

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Das Marienportal in der Westfront
Fotografie mit graphischen Retuschen,
Wetzlar, um 1850

Die Liste solcher Schadensursachen wäre unvollständig, wollte man nicht neben Fehlern und Verfehlungen in der Planung und Bauausführung, vor denen auch historische Bauwerke nicht verschont waren und sind, auch die veränderten Umwelteinflüsse erwähnen. Sie wurden verstärkt seit der Industrialisierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts wirksam und müssen in einer Stadt wie Wetzlar mit ihrer traditionellen Eisenherstellung und -verarbeitung jedenfalls neben dem zunehmenden Autoverkehr als Schadensursache am Außenmauerwerk des Wetzlarer Doms berücksichtigt werden. Das Schlagwort vom "sauren Regen", aber auch die Verwendung des wenig witterungsbeständigen Schalsteins für die Außenmauern verweist auf zwei Gründe für die in immer kürzeren Abständen erforderlichen Sanierungen der Kirche.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch äußere Ereignisse wie Kriegszerstörungen oder Nutzungsänderungen in der Folge kriegerischer Ereignisse, so die Verwendung von Kirchen als Lazarette, Munitionsdepots oder Stallungen. Ebenso verständlich wie irrtümlich ist daher die Annahme, eine Sanierung- oder Restaurierungsmaßnahme an oder in einem historischen Bauwerk könne dies "für immer" oder "für Jahrhunderte" sichern und erhalten. Als Illustration für die immer wieder auftretende verführerische Hoffnung, ein historisches Gebäude wäre irgendwann "fertig", mag die Äußerung des Kölner Dombaumeisters Karl Eduard Richard Voigtel aus dem Jahr 1902 gelten. Voigtel war überzeugt, der Kölner Dom, der als mittelalterliche Bauruine bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts unvollendet geblieben war, werde nach seiner Fertigstellung 1880 in den nächsten 100 Jahren keiner Restaurierung mehr bedürfen und mit höchstens 13.000 Mark im Jahr problemlos zu unterhalten sein.

Wo immer also historische Bauwerke funktionstüchtig bleiben und in ihrer historischen Gestalt erhalten werden sollen, entstehen Kosten. Es ist angesichts dieser Tatsache erfreulich, dass der Gedanke des Denkmalschutzes immer weitere Verbreitung und Unterstützung erfährt. Zusätzlich ist in Wetzlar Bürgerschaft mit ihrer Hauptkirche traditionell herzlich verbunden. Diese Verbundenheit drückte die sich u. a. auch in der wiederholten Gründung von Dombauvereinen aus. Welche Erwartungen jeweils an diese Vereine gestellt und welche Maßnahmen zur Erfüllung solcher Erwartungen eingeleitet wurden, soll im Folgenden kurz dargestellt werden.

Der erste Wetzlarer Dombau-Verein

Die erwähnte Innenraumsanierung von 1837/38 konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Gesamtzustand des Baus desolat war. Immer wieder berichten die Akten des 19. Jahrhunderts von kleineren und größeren Reparaturen am Querhaus, am Dach über dem Chor, an den Gewölben und an den Fenstern. Angesichts des mangelhaften Bauzustands wiesen in einem Aufruf am 19. Juni 1857 im Wetzlarer Kreis- und Anzeigeblatt erstmals prominente Wetzlarer Bürger darauf hin, dass die hiesige Domkirche ein höchst beachtenswertes Baudenkmal des Mittelalters darstelle und nicht nur der hiesigen Stadt, sondern der ganzen Umgegend … zur edelsten Zierde gereiche, und regten erstmals die Gründung eines Dombau-Vereins an. Sie erfolgte bereits am 29. Juni desselben Jahres [5].

Den Gründungsmitgliedern dieses ersten Dombau-Vereins war klar, dass eine umfassende Sanierung der Kirche bei weitem die Mittel überstieg, die am Ort selbst aufgebracht werden konnten, und sie stellten fest: Wohl wird sich dieser Zweck wegen des dazu erforderlichen großen Kostenaufwands nur mit Hilfe des Staates erreichen lassen. Die Gründung eines lokalen Dombau–Vereins hatte nach ihrem Verständnis zunächst eine symbolische Bedeutung, insofern sie das lokale Interesse an der Erhaltung des Bauwerks zum Ausdruck brachte. Den Staat an der Domsanierung zu beteiligen erschien den "Gründungsvätern" nur statthaft, wenn zunächst die Bürgerinnen und Bürger in der Stadt und im Landkreis bewiesen hätten, was sie selbst zu der beabsichtigten Maßnahme beitragen wollten. Darüber hinaus aber schien es den Gründungsmitgliedern wichtig, einen Verein zu bilden, dessen Aufgabe es wäre, zu jenem Zwecke nicht nur Privatmittel herbeizuschaffen, sondern auch die geeigneten Vorstellungen an die betreffenden Staatsbehörden und an des Königs Majestät Allerhöchst selbst gelangen zu lassen. Der Verein sollte also nicht nur private Mittel akkumulieren, sondern auch als Sprachrohr und Kommunikationspartner gegenüber dem Staat, seinem Repräsentanten und seinen Organen auftreten. Offenbar war man der Ansicht, dass Kirchengemeinden diese Leistungen nicht selbst erbringen konnten, sondern hier der Unterstützung selbstbewußter, einflußreicher und zu kollektivem Handeln bereiter Bürger bedurften.

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Chor und Querhaus des Wetzlarer Doms von Süden. Eigenhändige Zeichnung von Albrecht Meydenbauer (1834 – 1921) Unten rechts eigenhändig datiert und signiert "A. Meydenbauer 1860" Meydenbauer begründete die Vermessung von Baudenkmälern durch Einsatz der Fotografie und etablierte damit die Fhotogrammetrie als Dokumentations- methode in der Denkmalpflege. Diese Außenansicht der Südseite von Chor und Querhaus des Doms entstand auf der Grundlage von Fotoaufnahmen. Meydenbauer vermerkte handschriftlich, welche Details noch nicht fotografiert und in die Zeichnung übertragen worden waren.

Vergleicht man diesen Aufruf mit den Aktivitäten, die der Gründung des Kölner Dombau-Vereins voraufgegangen waren, so wird rasch deutlich, wie stark diese rheinische Vereinsgründung zum Zweck der Erhaltung einer historischen Kirche die Vorstellungen in Wetzlar beeinflusst hatte. Folgendes war in Köln vor sich gegangen:

Prominente Kölner Bürger hatten 1840 in einer Eingabe an den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. um Erlaubnis zu einer Vereinsgründung nachgesucht. Die Eingabe wurde zustimmend beschieden und der König sagte zu, den Verein jährlich mit 10.000 Talern zu unterstützen. Daraufhin konnte der Kölner Dombau – Verein 1842 seine Tätigkeit aufnehmen. Im Vorfeld der Vereinsgründung hatte die Aufsehen erregende Auffindung der beiden Teile des originalen Aufrisses der mittelalterlichen Domfassade durch Georg Moller 1814 in Darmstadt und durch Sulpiz Boisserée 1816 in Paris dem Gedanken der Fertigstellung des Doms bereits starken Auftrieb gegeben [6]. Die Romantik erschloss in dieser Zeit durch ein verändertes Verständnis dem bisher eher gering geschätzten Mittelalter neue Würde. Auch fand die wachsende Nationalbegeisterung in dem zu vollendenden Dom ein wirkungsmächtiges Symbol für die deutsche Einheit – ein Gedanke, der es selbst dem sicherlich nicht preußisch–national gesonnenen Emigranten Heinrich Heine in Paris nahelegte, einen Aufruf zur Gründung eines Pariser Hilfsvereins für die Vollendung des Kölner Doms mit zu unterzeichnen.

In Köln wie in Wetzlar hatte das Mittelalter die jeweils bedeutendste Kirche als Bauruine hinterlassen. Während in Köln mit wesentlicher Unterstützung des Dombau–Vereins der Weiterbau des Doms umgesetzt und 1880 abgeschlossen wurde, schloss der schlimme Gesamtzustand der Wetzlarer Kirche einstweilen noch den Gedanken an eine baldige Fertigstellung des unvollständigen Bauwerks aus. In Wetzlar war das bescheidenere Nahziel die Erhaltung des bestehenden, wenn auch unvollendeten Baus. Allerdings wurde das verführerisch Naheliegende des Vollendungsgedankens deutlich, wenn schon dieser erste Aufruf zur Gründung eines Dombau–Vereins 1857 als weiteres Ziel nannte, den Dom seiner baulichen Vollendung entgegen zu führen.

Im Ganzen scheint dieser erste Wetzlarer Dombau–Verein in der Gründungsphase auf Schwierigkeiten gestoßen zu sein, die sich in der Rückschau wohl nicht vollständig benennen lassen. Irritierend ist, dass man erst 1869 eine Satzung und die Liste der Mitglieder eines neuen Vorstands zur Genehmigung vorlegte. Beide Elemente der Vereinstätigkeit waren damals anzeige- und genehmigungspflichtig. Man muss sich rückblickend ins Gedächtnis rufen, dass das Vereinsrecht in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein hochrangiges Politikum war. Das "Allgemeine Preußische Landrecht" von 1794 hatte zwar den preußischen Untertanen das Recht zur Bildung von Vereinigung und zur Abhaltung von und Teilnahme an Versammlungen zugestanden, den Clubs, Gesellschaften, Lesekabinetten aber jede politische Aktivität untersagt. Im "Reichsgesetz betreffend die Grundrechte des deutschen Volkes" vom 27. Dezember 1848 erschienen auch das Recht der freien Vereinsbildung und das Recht der Versammlung als Grundrechte, doch

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Paul Wiegand (1786 – 1866) Fotografie, um 1860

blieben sie ohne Bedeutung, weil sich mehrere Mitgliedstaaten des Deutschen Bundes weigerten, das Gesetz zu veröffentlichen und damit sein Inkrafttreten verhinderten. Im August 1851 hob dann die Bundesversammlung den Grundrechtekatalog förmlich wieder auf. Inzwischen hatten allerdings Württemberg 1848, Preußen, Bayern, Sachsen und Hessen 1850 das Vereins- und Versammlungsrecht in ihren Territorien wieder zugelassen. 1854 verschärfte allerdings ein erneuter Bundesbeschluss die Repressionen, denen Vereine staatlicherseits ausgesetzt waren. Ungeachtet des vielfach zitierten biedermeierlichen Hangs zum Vereinswesen war es demnach durchaus nicht einfach, tatsächlich einen Verein zu gründen, der den gesetzlichen Vorschriften entsprach, also jedenfalls unpolitisch war.

Einen weiteren Grund für diesen zögerlichen Beginn der Vereinstätigkeit – Aufruf zur Gründung eines Dombau-Vereins und erste Schritte zur Vereinsbildung 1857, Vorlage einer Satzung und Benennung eines neuen Vorstands 1869 - wird man auch in der Biografie des sicherlich wichtigsten Gründungsmitglieds suchen müssen, des Juristen und Historikers Paul Wigand (1786 – 1866). Der Mitstudent und Freund der Büder Grimm war als Amtsgerichtsdirektor nach Wetzlar gekommen, fand aber, als 1848 das Amtsgericht zum Kreisgericht erhoben wurde, in dieser Funktion keine weitere Verwendung. Seine persönliche Enttäuschung war groß, denn er vermutete hinter der Zurückstellung seiner Person politische Ursachen, schied aus dem Justizdienst aus und betätigte er sich bis zu seinem Tode als Privatgelehrter. Persönliche Schicksalsschläge und unerquickliche häusliche Verhältnissen führten dazu, dass seine letzten Lebensjahre von Depressionen überschattet waren. Unter diesen Umständen scheint sein Einsatz für den projektierten Dombau–Verein stetig abgenommen zu haben, doch konnte man das Projekt ohne den hochverdienten Gelehrten anständigerweise wohl auch nicht vorantreiben. Wigand verstarb 1866 [7].

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Der Wetzlarer Dom um 1900 Fotografie

Eine direkte Beteiligung dieses Dombau–Vereins an einer der zahlreichen Reparaturen im späteren 19. Jahrhundert war bisher nicht nachzuweisen. Erstmals könnte er sich an Instandsetzungsarbeiten in den Jahren 1872/73 beteiligt haben, doch liegen hierfür wie auch für andere Aktivitäten im Verlauf des späten 19. Jahrhunderts bisher keine Erkenntnisse vor. Indessen verschlimmerte sich der Zustand der Kirche sichtlich. Auf Verfügung des Regierungspräsidenten in Koblenz wurde 1880 das Querschiff abgesperrt, 1892 musste der Durchgang neben dem Heidenturm und 1903 schließlich die gesamte Westfront, der "Heidenhof", abgesperrt werden. Der Dom war zu einem Problem für die öffentliche Sicherheit geworden und rief örtliche und überörtliche Behörden auf den Plan [8].

Der zweite Wetzlarer Dombau Verein

Bereits 1900 hatten zunächst die Baubehörden der Rheinprovinz und dann 1901 eine Ministerialkommission aus Berlin das marode Gebäude besichtigt. Übereinstimmend mit dem Urteil des Provizialkonservators fiel die Beurteilung der anstehenden Aufgaben bei allen Gruppen aus: Teilmaßnahmen würden den Bau nicht mehr retten können; eine Generalsanierung war unumgänglich. Die nachfolgenden Schritte erfolgten alsdann rasch und zielgerichtet. Der Regierungsbaumeister Friedrich Ebel erledigte die erforderlichen Vorarbeiten, dem Regierungsbaurat Ernst Stiehl wurde die Bauleitung übertragen. Eine Kostenschätzung aus dem folgenden Jahr wies Gesamtkosten von einer Million Mark aus. Auf Anregung des Landrats Dr. Sartorius im Oktober 1901, erneut einen Dombau Verein in Wetzlar zu gründen, fand die Vereinsgründung tatsächlich am 16. Dezember desselben Jahres statt. Da der Zustand der Kirche den lokalen und regionalen Behörden bereits bekannt war, entfiel die Aufgabe des ersten Wetzlarer Dombau-Vereins, Sprachrohr und Kommunikationspartner gegenüber den Behörden zu sein. Stattdessen fiel dem neugegründeten Verein erstmals eine viel weitreichendere Aufgabe zu, nämlich als Träger der finanziellen Regelung der Wiederherstellung zu fungieren. Damit übernahm er vorübergehend die traditionelle Aufgabe der "Dombauhofsprovision" [9].

Bereits im Oktober 1902 schoss er 20.000 Mark vor, damit die Arbeiten zur Wiederherstelllung des Heidenturms beginnen konnten. Die Zahl der Mitglieder lag 1903 schon bei über 800 und steigerte sich in kurzer Zeit auf 999. Eine deutschlandweite Lotterie zu Gunsten der Domrenovierung war 1902 genehmigt worden; sie erbrachte einen Erlös von 650.000 Mark. In der Kostenschätzung waren die Leistungen des Dombau-Vereins selbst noch mit 94.700 Mark veranschlagt; tatsächlich steuerte er, wie die Schlussrechnung ergab, nur 77.500 Mark zu den Renovierungskosten bei. Der Kaiser spendete einen nennenswerten Betrag [10], die Restkosten verteilten sich auf die beiden Gemeinden, den Landkreis und die Rheinprovinz; der Dalberg'sche Kirchen- und Schulfonds war von Leistungen ausgenommen worden.

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Der Wetzlarer Dom, während der Restaurierung eingerüstet. Fotografie, wahrscheinlich 1907

Blicken wir kurz in das Innenleben des zweiten Wetzlarer Dombau-Vereins. Es ist sicher interessant, dass der Verein neben der einfachen Mitgliedschaft auch die Aufnahme von natürlichen und juristischen Personen als "Patrone" vorsah, was übrigens auch der schon mehrfach zitierte Kölner Dombau-Verein so hielt. Ein Mitgliederverzeichnis vom August 1908 nennt unter den Patronen noch den 1902 auf Capri verstorbenen Friedrich August Krupp aus Essen, den Bergwerksbesitzer Heinrich Kraemer, der für die Nationalliberale Partei aus dem Wahlkreis Koblenz 1 – Wetzlar und Altenkirchen – von 1890 bis 1905 im Reichstag saß, Eugen van Zypen, Generaldirektor der Firma van Zypen, die in Köln eine Fabrik für Waggons und elektrische Schienenfahrzeuge betrieb, den Giessener Tabak- und Keramikfabrikanten Wilhelm Gail, Johann Nepomuk Heidemann, Generaldirektor der Vereinigten Köln–Rottweiler Pulverfabriken AG, einer der beiden bedeutendsten deutschen Hersteller von Schieß- und Sprengpulver, die Buderus'schen Eisenwerke, den Fabrikanten Ernst Leitz, Georg Friedrich Fürst zu Solms-Braunfels und die Stadt Wetzlar sowie eine Reihe prominenter und wohlhabender Wetzlarer Bürger. Die z. T. deutschlandweit bekannten Persönlichkeiten waren nicht nur Förderer, sondern auch "Aushängeschilder" des Dombau-Vereins. Sie waren erforderlich, um z. B. der deutschlandweiten Lotterie, aus der ja der überwiegende Teil der Baukosten finanziert wurde, zum Erfolg zu verhelfen. Es mag angemerkt werden, dass die Finanzierung einer Kirchenrenovierung aus einem Glücksspiel wegen der offenkundigen moralischen Problematik für keine der beiden Kirchengemeinden tunlich gewesen wäre. Hier drängte es sich geradezu auf, dem Verein als juristischer Person diese Aufgabe zu übertragen. Andererseits war sicherzustellen, dass sich der Verein auf die Sammlung und Weitergabe der bei ihm zusammenfließenden Mittel beschränkte und keinen Einfluss auf Ablauf und Inhalt der Bautätigkeit und insbesondere auf gestalterische Fragen nehmen konnte, ein Anliegen, auf das schon die Satzung des Dombau-Vereins von 1869 im § 2 Bezug genommen hatte: Der Verein wird demnach die Kirchenbauhofsprovision (der 1914 in "Dombauverwaltung" umbenannten Einrichtung d.V.) , welcher zunächst die Fürsorge für die bauliche Erhaltung und den Ausbau des Domes obliegt, in ihrer Aufgabe unterstützen.

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Ernst Stiehl
Der für die Restaurierung des Wetzlarer Doms 1903 – 1910 verantwortliche Baumeister hat sich nach dem Vorbild mittelalterlicher Baumeister selbst als Konsolfigur dargestellt.

Die Verwendung der vom Verein für den Ausbau bestimmten Mittel wird demgemäß stets im Einverständnis mit der Dombauhofsprovision erfolgen, welcher selbstverständlich die Disposition über alle baulichen Veränderungen des Domes verbleibt. Man darf folglich die seit der Gründung des ersten Wetzlarer Dombau-Vereins bis heute beachtete Karenz des Vereins in baulichen und gestalterischen Fragen als ein verpflichtendes Erbe ansehen, dem sich alle bisherigen Vereinsvorstände bereitwillig untergeordnet haben.

Die Generalsanierung des Doms ist an anderer Stelle ausführlich dargestellt worden [11]. Gegenüber dem heutigen Zustand war die Beibehaltung des Lettners mit der darauf befindlichen sog. katholischen Domorgel auffällig. Beide – Lettner und Orgel – schränkten die Sicht vom Schiff aus in den Chor erheblich ein, so dass der Eindruck von zwei Kirchen unter einem Dach, wie er 1838/39 und in den Folgejahren erzeugt worden war, weiterhin bestand. Im Verlauf der Bauarbeiten 1903 – 1910 tauchte auch wieder die Idee von der Fertigstellung der Kirche auf. Da es – anders als beim Kölner Dom – für Wetzlar keine mittelalterlichen Planungsunterlagen gab, legte der Dombaumeister Ernst Stiehl einen Aufriss für die Westfassade vor, dessen Ausführung allerdings die Beseitigung der spätromanischen Baureste Heidenportal und Heidenturm erfordert hätte. Danach wäre der noch fehlende zweite Westturm ausgeführt worden und beide Türme hätten – nach dem Vorbild Kölns und Freiburgs - durchbrochene steinerne Helme erhalten. Die Idee verschwand – wahrscheinlich aus Kostengründen – bald wieder in der Schublade.

Insgesamt fielen die Sanierungsarbeiten gegenüber dem Kostenvoranschlag um 50.000 Mark günstiger aus, so dass dem Dombau-Verein hinreichende Mittel verblieben, um auch später eventuell erforderliche Arbeiten finanziell unterstützen zu können. Am 10. und 11. Dezember 1910 konnte der Wetzlarer Dom nach siebenjähriger Bauzeit wieder seiner Bestimmung übergeben werden. Beide Gemeinden hatte wegen der Bauarbeiten jahrelang in andere Kirchen ausweichen müssen.

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Der Wetzlarer Dom nach der Restaurierung Aquarell von unbekannter Hand, vor 1925

Die Reaktion auf die getroffenen Maßnahmen, soweit sie sich in der örtlichen Presse spiegelte, war einhellig positiv, wenn auch einige Probleme weiterhin bestanden. So waren z. B. die ungünstigen akustischen Verhältnisse im Langhaus, über die bereits 1863 in einem Artikel des Wetzlarer Kreis- und Anzeige-Blattes Klage geführt worden war, nicht wesentlich verbessert worden [12]. Der verantwortliche Baumeister war offenbar nach den Maßstäben der damaligen Zeit schonungsvoll mit der historischen Substanz umgegangen und hatte notwendige Ergänzungen möglichst nahe an der Stilistik noch vorhandener Bauelemente vorgenommen und darüber hinaus die Vorgänge am Bau zeichnerisch und fotografisch dokumentiert. Bei seiner Arbeit standen Stiehl auch die fotografischen Unterlagen Albrecht Meydenbauers zur Verfügung, der die Methodik der fotografischen Vermessung und Dokumentation von Bauwerken am Wetzlarer Dom wesentlich mit- und weiterentwickelt hatte.

Das positive Ergebnis der Grundsanierung des Doms hatte allerdings auch zur Folge, dass sich in der Öffentlichkeit die bereits erwähnte Vorstellung ausbreitete, der Dom wäre nun auf längere Sicht gesichert, mit weiteren Maßnahmen und damit verbundenen Kosten müsste man daher nicht mehr rechnen. Wie das Interesse schwand, lässt sich deutlich an der Rückentwicklung der Mitgliederzahl des Dombau-Vereins ablesen. Die Spitze des Mitgliederbestands lag 1904 bei 999 Personen, ging aber schon 1908 auf 485 Personen zurück. 1910 war sie wohl wegen der Einweihung des restaurierten Doms wieder auf 550 Mitglieder angewachsen; kurz vor dem ersten Weltkrieg betrug sie jedoch nur noch 250 Personen, nach dem ersten Weltkrieg 180, 1924 noch 135 und 1936 noch 54 Mitglieder. Im März 1936 diskutierte der damalige Vorstand die Auflösung des Vereins, die dann am 5. April in einer letzten Mitgliederversammlung beschlossen wurde. Das Vermögen des Vereins war bis 1924 durch die Inflation in der Zwischenkriegszeit dezimiert worden und betrug im Frühjahr 1938 noch knapp 4.000 Reichsmark, die mit der Liquidierung des Vereins satzungsgemäß an die Dombauverwaltung übergingen. Der Vorstand legte Wert auf die Feststellung, der Verein hätte nach dem Abschluss der Sanierung und der Rückübertragung der Unterhaltspflicht auf die Dombauverwaltung seinen Zweck erfüllt und sich deshalb schon früher auflösen können. Auch wären in in den Jahren 1934 und 1935 keine Mitgliedsbeiträge mehr eingezogen worden, jedoch hätten einige ältere Mitglieder weiterhin freiwillige Spenden an den Dombau-Verein geleistet und damit bislang die nun erfolgte Auflösung des Vereins verhindert. Mit der Selbstauflösung Anfang April 1936 entging der Verein jedenfalls dem, was seit den beiden Gesetzen vom März und April 1933 "Gleichschaltung" hieß und seitens der NSDAP mit starkem Druck auf Vereine und Institutionen durchgesetzt wurde. Der Landrat als Vorsitzender und der Bürgermeister der Stadt Wetzlar als weiteres Vorstandsmitglied des inzwischen faktisch ruhenden Dombau-Vereins konnten sicher abschätzen, ob und welche Pressionen zu erwarten gewesen wären, falls sich der Verein nicht selbst aufgelöst hätte.

Der dritte Wetzlarer Dombau Verein

Wie schnell sich die Sorge um Erhalt und Fortbestand des Wetzlarer Doms erneuern würde, hat damals sicher niemand vorausgesehen. Am 8. März 1945 traf eine Bombe den Ostteil des Doms mit dem Chor und beschädigte die Kirche insgesamt schwer. Der Lettner war samt der darauf stehenden Orgel zusammengestürzt, die beiden seitlichen Emporen abgerissen, Mauerwerk und Gewölbeteile zerstört. Die Druckwelle war so stark, dass auch im Langhaus die Kirchenbänke umgeworfen und die Orgel der evangelischen Gemeinde sowie die großen Kirchenfenster zerstört wurden, um nur die schwersten Schäden zu nennen.

Angesichts dieser Verwüstungen - es waren die stärksten in der Geschichte des Doms – nahm der Landrat mit den beiden Domgemeinden Ende 1945 erste Kontakte wegen der Wiederbegründung eines Dombau-Vereins auf und schon am 31. Januar 1946 konstituierte sich tatsächlich der dritte Dombauverein in Wetzlar. Es erscheint plausibel, dass alle mit dem Dom Befassten, sofern sie dreißig Jahre zurück denken konnten, sich an das Modell des so erfolgreichen zweiten Dombau-Vereins erinnerten. Wenn der Landrat, in dessen Dienstbereich ja die Dombauverwaltung angesiedelt war, erste Gespräche mit den beiden Gemeinden führte, ging es dabei sicher um die Frage, ob dem Verein wieder die finanzielle Abwicklung der bevorstehenden Baumaßnahmen übertragen werden

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Kriegszerstörungen 1945: o.lks.: Das Hauptschiff o.re.: Das Chorpolygon u.lks.: Abriss des zerstörten Polygons u. Mitte: Provisorische Bretterwand vor dem Chor u.re.: Arbeiten am Chorgewölbe

Objekt "Wiederaufbau des Doms" zu generieren, waren bedeutend. Einige davon seien kurz in Erinnerung gebracht. Angesichts der Notwendigkeit, die in großer Zahl zuziehenden Flüchtlinge mit Wohnraum und Arbeit zu versehen, erschien der Wiederaufbau der zerstörten Teile des Wetzlarer Doms nachrangig. Zudem hatte eine erste Kostenschätzung ergeben, dass für 125.000 Mark die zerstörten Wände und Dächer in einfachster Bauweise wiederhergestellt, aber für nur 15.000 Mark die noch stehenden Reste des Chors abgetragen werden könnten. Der Einsatz freiwilliger Helfer zur Beseitigung der Trümmer stieß schnell an Grenzen, weil die mit Bleiklammern zusammengehaltenen Steinquadern nur mit schwerem Gerät und unter Mitwirkung von Fachleuten gehoben werden konnten. Viele Handwerker befanden sich aber noch in Kriegsgefangenschaft oder arbeiteten besser bezahlt an Neubauprojekten. Baumaterialien unterlagen der Bewirtschaftung durch die Militärverwaltung und waren dementsprechend knapp. Wegen der Zwangsbewirtschaftung in den Besatzungszonen hatte die Reichsmark als offizielle Währung praktisch keinen realen Wert mehr.

Es zeichnete sich zudem bald ab, dass die katholische Gemeinde, durch die zugezogenen Flüchtlinge stark angewachsen, mit dem Platz im Chor zukünftig nicht mehr auskommen würde. Selbst wenn man also den Chorraum wieder benutzbar machte, erschien die tradierte Aufteilung der Kirche nicht mehr sinnvoll. Daher schloss man zunächst nur die Öffnung zum Chor provisorisch mit einer Bretterwand, reparierte die Fenster in den Seitenschiffen und ermöglichte so die Nutzung des verbliebenen Raums – Mittel- und Querschiff und die beiden Seitenschiffe - durch beide Gemeinden.

Angesichts dieser Umstände erscheint es fast wie ein Wunder, dass der Verein sozusagen aus dem Stand 85.963 Reichsmark einsammeln und davon kurzfristig 39.311 Reichsmark für Aufräumungs- und Reparaturarbeiten ausgeben konnte. Die Schwierigkeiten hielten an, weil die Währungsreform vom 20. Juni 1948 das bis dahin nicht verausgabte Vereinsvermögen auf 2.302 DM reduzierte, bald danach die Preise anstiegen und die Zahl der Arbeitslosen wuchs. Unter diesen Umständen wäre es verständlich gewesen, wenn die Interessen in der Wetzlarer Bevölkerung sich in andere Richtungen verlagert hätten. Ungeachtet dessen konnte jedoch der Verein bis Mai 1951 schon wieder insgesamt 86.513 DM für die Wiederaufbauarbeiten zur Verfügung stellen [13].

Wie ist dieser Erfolg zu erklären?

Zunächst verhinderte die zentrale, exponierte Lage des Doms, die eingetretenen Zerstörungen zu übersehen oder gar zu vergessen. Beide Gemeinden waren durch den Verlust ihres Gotteshauses unmittelbar betroffen und wurden allsonntäglich wieder daran erinnert. Die Diskussion, die es tatsächlich gab, ob man den Chor ganz abreißen oder in vereinfachten, modernen Formen wieder aufbauen sollte oder ob eine Rekonstruktion in den tradierten Formen die bessere Lösung wäre, scheint nur kurz gewesen zu sein. Die letztgenannte Lösung fand allgemeinen Zuspruch, obwohl sie die teuerste war. Mit der Festlegung des Ziels scheint das Engagement und die Spendenbereitschaft der Bevölkerung einen kräftigen Schub erhalten zu haben, denn fünf Jahre nach seiner Gründung hatte der Dombau-Verein wieder 210 Mitglieder. Wichtige Impulse gab offenbar auch das Engagement Wetzlarer Firmen. Die Firma Leitz stellte 21.679 DM zur Verfügung, von denen 9.000 DM aus Spenden der Belegschaft stammten. Hinzu kamen Zuschüsse aus Stiftungen, staatliche Zuschüsse und die Beiträge der beiden Domgemeinden. Insgesamt waren bis Mai 1951 ca. 200.000 DM für den Wiederaufbau des Doms verausgabt worden. Die Wiederherstellung des Chorpolygons erforderte voraussichtlich weitere 150.000 DM. Sicherlich war es hilfreich, dass der beteiligte Konservator Dr. Feldkeller in einem Vortrag die geleisteten und die noch ausstehenden Arbeiten erläuterte. Die örtliche Presse unterstützte die Maßnahmen durch den Abdruck von Appellen [14] und Zustandsberichten und referierte ausführlich die Ergebnisse der ersten Mitgliederversammlung des Dombau-Vereins im Mai 1951. Vielleicht wirkte es auch ermutigend, dass kurz vor Beginn des "Europäischen Gesprächs" vom 20. bis 28. August 1949 die Trümmer weggeräumt waren, die die öffentliche Sicherheit gefährdeten, und dass sogar einige der kriegszerstörten Bauten im Altstadtkern wie etwa das Lottehaus wieder aufgebaut worden waren [15]. Nicht zuletzt muss man berücksichtigen, dass beide Domgemeinden durch den Zuzug von Flüchtlingen gewachsen und damit finanziell leistungsfähiger geworden waren.

Nach dem Abschluss der äußeren Wiederherstellungsarbeiten wurde die Wiederherstellung des Dominnern mit Energie vorangetrieben. Der Entschluss, den zerstörten Lettner

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Der Lettner zwischen dem Langhaus und dem Chor. Fotografie um 1925

nicht wieder aufzubauen, bezeichnete eine neue Qualität im Verhältnis der beiden Domgemeinden zueinander. So war auch die Bereitstellung der Mittel für eine neue Orgel durch die Familie Leitz ein Signal, das weitreichende Wirkung hatte, denn die Orgel sollte von den Organisten beider Konfessionen genutzt werden [16]. Die gemeinsame Nutzung des gesamten Doms erwies sich in dieser Zeit auch als eine Werbeaussage, die in der Öffentlichkeit mit Wohlwollen und Zustimmung zur Kenntnis genommen wurde. Die Firma Buderus, vertreten durch den damaligen Generaldirektor Dr. Grabowski, beteiligte sich mit einer leistungsfähigen Heizungsanlage für den Dom an den Wiederherstellungsarbeiten und ließ auch neue Windfänge an den Eingängen des Doms anbringen. Für weitere Innenarbeiten waren 1955 noch einmal 80.000 bis 90.000 DM erforderlich, doch gab die Übergabe der Orgel am 14. Mai 1955 Hoffnung auf einen guten Abschluss der Arbeiten [17]. Der damalige Schatzmeister des Dombau-Vereins, Dr. Wilhelm Witte, der gelegentlich als die "Seele" des Vereins bezeichnet wurde, erklärte sich erneut bereit,

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Die neuen farbigen Chorfenster von Ludwig Baur, 1958/59

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Die Beckerath - Orgel im Dom, ein Geschenk der Familie Leitz, Wetzlar

sowohl die Mitgliederwerbung als auch die Einwerbung von Spenden in der heimischen Wirtschaft und bei staatlichen Stellen zu intensivieren. Der Höhepunkt der Mitgliederzahl hatte kurz nach der Wiedergründung 1946 bei fast 300 Mitgliedern gelegen, war 1952 auf 210 Mitglieder zurückgegangen und betrug im Oktober 1965 genau 100 Mitglieder. Der Effekt, das mit dem Fortschritt der jeweiligen Maßnahmen das Interesse der Gesamtbevölkerung und damit auch die Mitgliederzahl des Dombau-Vereins zurückging, ließ sich wie bei der großen Sanierung 1902-1910 auch jetzt wieder beobachten und würde auch in der Folgezeit den Vereinsvorstand beschäftigen müssen.

Zunächst aber konnte sich der Dombau-Verein Ende 1961 auf den Einbau der beiden farbig ornamentierten Fenster im Chorquadrat, die er finanziert hatte, bis Ostern des Folgejahres freuen. Mit ihnen hielt nach der Gestaltung des Altars ein weiteres Stück Gegenwartskunst im Dom seinen Einzug, der mit der Buntverglasung des Chorpolygons 1958/59 durch Ludwig Baur seinen verheißungsvollen Anfang genommen hatte [18].

Ziele der Vereinsarbeit und Zusammensetzung der Vorstände

Allen in Wetzlar bisher tätigen Dombauvereinen war gemeinsam, dass sie die Dombauverwaltung als das primär für die Bauunterhaltung zuständige Gremium in dessen Arbeit unterstützen wollten. Auf die Entwicklung und Umsetzung eigener Vorstellungen wurde bewusst verzichtet. Stattdessen finanzierte der Dombau-Verein die jeweils für erforderlich gehaltenen Maßnahmen ganz oder teilweise oder er leistete Vorschüsse, um die kontinuierliche Weiterführung bestimmter Maßnahmen zu sichern, für die bei der Dombauverwaltung keine finanzielle Deckung vorhanden war.

Die Beschaffung der dazu erforderlichen Geldmittel setzte in den Vorständen jeweils ein beachtliches kreatives Potenzial frei. Es erwies sich als besonders hilfreich, dass leitende Persönlichkeiten aus Wetzlarer Unternehmen, aber auch aus der Kreis- und Stadtverwaltung, den Vorständen angehörten oder ihnen beratend zur Seite standen. Hier sind zu nennen Dr. h.c. Ernst Leitz jun., der Chef der Leitz-Werke, Dr. Dr. h.c. mult. Wilhelm Wille, Bergwerksdirektor der Fa. Buderus, Dr. Franz Grabowski, seit 1946 Vorstandsmitglied und von 1953-1967 Generaldirektor der Fa. Buderus, Dr. Ludwig Leitz, Direktor der Leitz-Werke , aber auch die Landräte, Bürgermeister und Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar, die entweder als "geborene" Mitglieder dem Vorstand des Dombau-Vereins oder der Dombauverwaltung angehörten. Die vielfältige Vernetzung dieser Persönlichkeiten in Wirtschaft und Politik, ihr persönlicher Ideenreichtum und ihr Ansehen in der Öffentlichkeit machten sie als "Brückenbauer" und "Türöffner" für den Dombau-Verein höchst schätzenswert.

Wichtige Impulse für die Vereinsarbeit gingen stets auch von den Vorsitzenden aus. Bürgermeister Dr. Friedrich Buch wurde 1946 zum Vorsitzenden gewählt und 1948 von Bürgermeister Dr. Otto W. Hager abgelöst. Ihm folgten 1961 die Bürgermeister Dr. Wilhelm Schmidt und 1970 Arno Wiegand. Von 1974 – 1989 übte erstmals statt eines Bürgermeisters ein "Bürger", nämlich Winfried Simon, Vorsitzender des Sozialethischen Ausschusses der Ev. Kirchenkreise Wetzlar und Braunfels, das Amt des Vorsitzenden aus und übergab es nach 15 Jahren an Werner Gimmler, der ein Jahr zuvor aus der Geschäftsführung seines Reiseunternehmens ausgeschieden war und als Ruheständler nun für 12 Jahre das Amt des Vorsitzenden ausübte. Als stellvertretender Vorsitzender stand ihm Otto Jung zur Seite. Der vormalige Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft Buderus Handel GmbH war 1986 in den Ruhestand getreten und widmete nun seine ganze Kraft dem Dombau-Verein, dessen Vorsitz er 2001 von Werner Gimmler übernahm. 2006 zog sich Otto Jung aus Altersgründen von der Vorstandsarbeit zurück; sein Nachfolger wurde Manfred Thielmann, Geschäftsführer der Werner Gimmler/Wetzlarer Verkehrsbetriebe und Reisebüro GmbH, der zuvor schon als stellv. Vorsitzender Einblicke in die Vorstandsarbeit gewonnen hatte. Nach drei Jahren musste er allerdings wegen seiner hohen beruflichen Belastung auf eine Neuwahl verzichten. So wählte die Mitgliederversammlung im September 2009 einstimmig mit Ruth Viehmann erstmals eine Frau zur Vorsitzenden, der als weitere Frau Susanne Hirschfelder, Amtsleiterin des Standesamts Wetzlar, als Geschäftsführerin zur Seite stand. Welche neuen Akzente die Vereinsarbeit auszeichnen, die nun von weiblicher Hand gesteuert wird, wird später dargestellt. Für die sorgfältige Verwaltung der Gelder des Vereins trugen die Schatzmeister Sorge, unter denen Dr. Wilhelm Witte, Dipl. Kfm. Fredegar Hinz, Franz Schulten und Rolf Ketzer besonders zu nennen sind. Den Schriftführern, unter ihnen Werner Gerhard, Rechtsanwalt und für 30 Jahre als Schriftführer Vorstandsmitglied, oblag u. a. der Kontakt zwischen Vorstand und Vereinsmitgliedern, die Ausfertigung zahlreicher Schriftsätze und die Führung des Mitgliederverzeichnisses.

Dem "geschäftsführenden" Vorstand, bestehend aus dem Vorsitzenden, dessen Stellvertreter, dem Schatzmeister und dem Schriftführer, stand ein "erweiterter Vorstand" zur Seite, in dem Persönlichkeiten aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen versammelt waren. Nach 1974 führte kein Wetzlarer Bürgermeister mehr den Vorsitz im Dombau-Verein, jedoch war der jeweilige Oberbürgermeister "geborenes" Vorstandsmitglied und saß im erweiterten Vorstand. Auch die beiden Pfarrer der Evangelischen und der Katholischen Domkirchengemeinde gehörten dem erweiterten Vorstand an und ebenso der bzw. die Vorsitzende der Dombauverwaltung, wobei hier der Vorsitz zwischen evangelischen und katholischen Vorsitzenden alternierte, weiter der Vorsitzende des Dalberg'schen Kirchenfonds und schließlich einige Damen und Herren, deren Sach- und Fachkenntnisse dem Verein hilfreich sein konnten: Hier ist an vorderster Stelle Franz Schulten zu nennen, der der Dombauverwaltung vorgestanden und dem Dombau-Verein als Schatzmeister gedient hatte, vor allem aber reiche Kenntnisse der Geschichte des Marienstifts und der Stifts- und Stadtkirche mitbrachte. Er hatte lange Zeit das Archiv des ehemaligen Marienstifts betreut, geordnet und für eigene Forschungen genutzt, die er in Vorträgen und Aufsätzen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte. Ingeburg Schäfer, langjährige Vorsitzende des Wetzlarer Geschichtsvereins und mit großem Erfolg als Stadtführerin in der Vermittlung der Stadt- und der Domgeschichte tätig, konnte die Vereinsarbeit durch wertvolle Aufschlüsse über die Interessenlagen von Touristen bereichern, die in großer Zahl den Wetzlarer Dom besichtigten. Gabriele Freifrau von Falkenhausen, alternierende Vorsitzende der Dombauverwaltung, hatte eine kontinuierliche Bewachung des Doms durch freiwillige Helferinnen organisiert. Sie standen den Besuchern auch mit Auskünften zur Verfügung und versorgten sie mit Druckschriften und Ansichtskarten. Auch aus dieser Richtung kamen wertvolle Hinweise auf die Interessenlagen und Informationsbedürfnisse der wechselnden Besucher im Dom. Winfried Sablik, Leiter des Hochbauamts der Stadt Wetzlar, war als Kenner architektonischer Sachverhalte ein wertvoller Gesprächspartner. Schließlich gehörte auch der damalige Museumsdirektor diesem Gremium an, nachdem in Verträgen mit der Evangelischen und der Katholischen Domgemeinde geregelt worden war, dass diejenigen Kunstwerke aus dem Dom, die aufgrund ihres Wertes oder ihrer Materialbeschaffenheit eines besonderen Schutzes bedurften und keine liturgische Verwendung mehr fanden, als Leihgaben der Gemeinden dauerhaft im nahe gelegenen Stadt- und Industriemuseum ausgestellt wurden.

Mit einer schlichten und würdigen Feier im Dom beging im Juni 1977 der Dombau-Verein die 120. Wiederkehr der Gründung des ersten Wetzlarer Dombau-Vereins 1857. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Winfried Simon erinnerten der damalige Stadtarchivar Herbert Flender und der Dompfleger Walter Ebertz an die wechselvolle Geschichte des Dombaus, in der sich die Geschichte der Stadt Wetzlar und ihrer Bewohner bis heute spiegele. Es schien damals dringend geboten, auf die über 100jährige Tätigkeit der drei Wetzlarer Dombau-Vereine aufmerksam zu machen, denn 1973 lag die Mitgliederzahl nur noch bei ca. 60 und damit weit unter den Zahlen der Vergangenheit. Mitgliederwerbung stellte sich dem damaligen Vorstand als dringlichste Aufgabe neben der Einwerbung von Spenden dar [19].

Sponsorensuche und Mitteleinwerbung im Wandel der Zeit

Zielführende Ideen für erfolgreiche Einwerbung von Geldmitteln ergaben sich im Vorstand des Dombau-Vereins aus sorgfältiger Analyse der jeweiligen Marktlage. Auch musste der herrschende Zeitgeschmack berücksichtigt werden und nicht zuletzt auch die jeweils Erfolg versprechende Werbe- und Vertriebsstrategie. Im 19. Jahrhundert waren noch Emissäre aus Wetzlar durch die deutschen Länder gereist, um persönlich bei hochgestellten Personen um Spenden für den Erhalt des Doms zu bitten. 1905, 1906 und 1908 erwiesen sich Dombau-Lotterien, die für das Gebiet der preußischen Monarchie genehmigt wurden, als besonders zweckdienlich. Hierbei ist daran zu erinnern, dass eine Lotterie zu Gunsten des Kölner Doms zum überwiegenden Teil die Fertigstellung ermöglicht hatte und nun bei ähnlich gelagerten Projekten sozusagen als "Königsweg" der Mittelbeschaffung galt. Auch in Wetzlar waren nach Gründung des zweiten Dombau-Vereins Lotterien erfolgreich gewesen und hatten fast zwei Drittel der zur Domsanierung erforderlichen Mittel erbracht.

Bei der Gründung des dritten Wetzlarer Dombau-Vereins 1946 war allen Beteiligten klar, dass unter den Bedingungen der unmittelbaren Nachkriegszeit eine Lotterie ohne Erfolg bleiben würde [20]. Stattdessen setzte man auf die Spendenbereitschaft der bekannten Wetzlarer Firmen, auf Zuschüsse der öffentlichen Hand und auf Spenden von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Elsie Kühn-Leitz hatte als Begründerin der Deutsch-Französischen Gesellschaft den damaligen Bundeskanzler Dr. Adenauer zu Gast, führte ihn durch den Wetzlarer Dom und erhielt die Zusage einer Spende von 3.000 DM. Durch Vermittlung des Bundestagspräsidenten Dr. Ehlers hatte das Innenministerium 1.000 DM gespendet [21]. Bestehende persönliche Beziehungen sollten nun vermehrt genutzt werden, um weitere Spenden einzuwerben. Mit gleicher Aufmerksamkeit wurde jedoch auch die Mitgliederwerbung betrieben, denn die Mitgliedsbeiträge bildeten einen zwar überschaubaren, dafür aber sicheren Kernbestand des Vereinsvermögens.

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Eine gusseiserne "Dombauplakette"

Neuland betrat deshalb der Dombau-Verein mit dem Vertrieb der sog. "Jahres-" bzw. "Dombauplaketten" aus Gusseisen, die in der Buderus'schen Kunstgießerei Hirzenhain hergestellt und vom Dombau – Verein vertrieben wurden. Frühzeitig beteiligten sich das Städtische Fremdenverkehrsamt und später auch die Städtischen Sammlungen am Vertrieb, denn hier lag eine Schwachstelle der Aktion: Der Dombau-Verein verfügte über keine eigenen Vertriebswege und war hier auf die Kooperation mit geeigneten Partnern angewiesen. Die auf zwölf Motive angelegte Reihe der "Jahresplaketten" wurde zu einem bedeutenden Verkaufserfolg. Viele Wetzlarer sammelten die Plaketten und zierten damit an prominenter Stelle Entrées, Kaminecken und Wohnzimmer. Die Beliebtheit dieser schönen Eisenplakettenreihe erwies sich als dauerhaft, denn als 2002 die Buderus AG dem Dombau-Verein einen Restbestand von 400 Plaketten mit dem Motiv der Westfront des Doms schenkte, war auch dieser Bestand rasch verkauft. Die Idee einer sich jahrweise vermehrenden Sammlung sicherte dem Verein auf mittelfristige Sicht annähernd gleichbleibende Einnahmen. Als 1989 der damals neu gewählte Vorsitzende Werner Gimmler darauf hinwies, dass der Dombau-Verein zwischen 1973 und 1989 fast eine halbe Million DM für die Restaurierung des Wetzlarer Doms bereit gestellt hätte, fand auch die Reihe der "Dombau-Plaketten" dankbare Erwähnung [22].

Da dem Dombau-Verein im Zusammenhang der Herstellung der "Dombau-Plaketten" nur sehr geringe Kosten entstanden, während der Erlös ihm in voller Höhe zufloss, entstand hier kein nennenswertes finanzielles Risiko für den Verein. Der Verein war gehalten, seine Mittel ausschließlich für satzungsgemäßen Zwecke zu verwenden, und die Satzung legte in § 1 fest: Der Satzungszweck wird insbesondere verwirklicht durch die Finanzierung … von Renovierungsarbeiten am Wetzlarer Dom… fügte jedoch hinzu: … sowie durch Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, die Wetzlarer Bevölkerung für den Vereinszweck zu gewinnen. In diesem Passus sah insbesondere der damals zweite Vorsitzende Otto Jung den Ansatzpunkt für neue Möglichkeiten der Mittelerschließung. Wenn der Dombau-Verein mit einem geeigneten Partner ein Buch über den Wetzlarer Dom zum Druck beförderte und mit Gewinn vertrieb, würde beiden Vereinszwecken – der Mittelbeschaffung und der Öffentlichkeitsarbeit – Genüge getan [23].

Das 1925 erschienene und 80 Druckseiten umfassende Buch von Heinrich Gloël Der Dom zu Wetzlar war längst vergriffen und auch durch zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse über den Ablauf der Bauarbeiten am Wetzlarer Dom in manchen Teilen überholt. Sein handlicher Umfang hatte ihm jedoch viele Freunde gewonnen. Es bot sich also an, hier einen zeitgemäßen, wissenschaftlich fundierten und trotzdem gut lesbaren Nachfolger zu konzipieren. Der junge Kunsthistoriker Eduard Sebald wurde als Autor gewonnen, der Verlag Karl Robert Langewiesche Nachfolger Hans Köster übernahm die Drucklegung in der bestens eingeführten Reihe seiner Blauen Bücher. Das Erscheinen des Buches 1989 wurde von professioneller Pressearbeit begleitet [24]. Der Erfolg rechtfertigte den Einsatz der zur Herstellung des Buches erforderlichen Vereinsmittel: Nach zwei Jahren war die Erstauflage von 3.000 Exemplaren mit einem Gewinn von 17.500 DM verkauft, ein Betrag, der alsbald für die Domausstattung verwendet werden konnte. Auch die zweite Auflage des Buches, die 2001 erschien, wurde mit Erfolg verkauft, zumal inzwischen auch die Wetzlarer Buchhandlungen und die Kasse des Stadt- und Industriemuseums das Buch anboten [25].

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Eduard Sebald: Der Wetzlarer Dom
Königstein/Ts.: K.R. Langewiese Nachf. 1989
Die erste vom Wetzlarer Dombau – Verein
geförderte Buchpublikation

Dem wiederholt geäußerten Wunsch, Interessenten einen "kleinen", also handlichen und preiswerten Führer durch den Wetzlarer Dom anbieten zu können, kam der Dombau-Verein mit der Herausgabe des "Kleinen Kunstführers Nr. 2000" im Verlag Schnell & Steiner, München und Zürich, im Jahr 1992 nach [26]. Die Erstauflage war mit 9.000 Exemplaren für eine Verkaufszeit von drei Jahren berechnet und sollte dem Verein einen Reingewinn von 12.000 DM eintragen. Die Erwartungen erfüllten sich und eine zweite Auflage mit zusätzlichen Farbaufnahmen und textlichen Ergänzungen konnte 2001 in Auftrag gegeben werden; auch sie zeigte einen kontinuierlich guten Absatz.

Im Hintergrund dieser beiden Projekte waren jeweils kleinere, sachkundig besetzte Projektteams tätig, die die Arbeit des jeweiligen Autors unterstützten, für reichhaltiges, qualitätvolles Abbildungsmaterial sorgten oder den reibungslosen Ablauf der Fotoarbeiten organisierten, wenn ortsfremde Fotografen im Auftrag der Verlage im und am Dom tätig wurden. Auch wurden alle Texte auf Sachrichtigkeit und gute Lesbarkeit hin abgeklopft – eine mühevolle Arbeit, deren Nutzen jedoch von vielen Lesern dankbar begrüßt wurde. Otto Jung nahm es auf sich, die Teams immer neu zu motivieren und gleichzeitig alle Zeitvorgaben einzuhalten, so dass alle Ablieferungs-, Herstellungs- und Auslieferungstermine eingehalten werden konnten. Seine berufliche Erfahrung erwies sich als Garant für eine professionelle Projektabwicklung.

In der Mitgliederversammlung 1993 konnte der Vorsitzende Werner Gimmler über den Abschluss der Restaurierung eines barocken Tafelbildes berichten, das 1652 als Epitaph für die verstorbene Ehefrau des Giessener Festungskommandaten Günther von Brenhausen geschaffen und im Wetzlarer Dom aufgehängt worden war. Als Eigentum der katholischen Domgemeinde gehört das großformatige Gemälde, das eine sog. "Pietà" zeigt, zu den Leihgaben im Stadt- und Industriemuseum, wo es nach der Restaurierung einen prominenten Platz im Treppenhaus einnimmt.

In der Mitte der neunziger Jahre zeichnete sich ab, dass die "Printmedien" – Buch, Zeitung, Zeitschrift u.a. – in Konkurrenz mit den audiovisuellen Medien eingetreten waren, ein Umstand, den der Vorstand mit großer Aufmerksamkeit verfolgte. Auch hier zahlte es sich aus, dass er laufend von Mitgliedern informiert wurde, die ihrerseits beständige Kontakte zu den potentiellen "Kunden" unterhielten, insbesondere den Wetzlar-Touristen, die als Einzelne oder in Gruppen die Altstadt und den Dom besuchten. Otto Jung entwickelte die Idee eines "Domvideos", das Interessenten die Schönheiten, Geheimnisse und Besonderheiten des Wetzlarer Doms, aber auch den geistlichen Gehalt des Bauwerks vor Augen führen konnte. Er stellte erneut ein kleines Arbeitsteam zusammen, das das "Storyboard", das Drehbuch für das Video, entwickelte, nahm professionelle Firmen aus Wetzlar für die Realisation der Filmaufnahmen und den Evangeliums-Rundfunk für die Einspielung des Tons unter Vertrag. Originalaufnahmen des Spiels beider Kantoren der Domgemeinden auf der Domorgel bereicherten musikalisch die Tonaufnahmen. Wie auch bei den vorigen Projekten begleitete eine intensive Pressearbeit die Arbeit [27]. Die öffentliche Präsentation des Videos am 19. Juli 1994 vor über 200 Zuschauern im Stadthaus am Dom zeigte, dass diese zeitgemäße Form der Vermittlung auf einhellige Zustimmung stieß. Das satzungsgemäße Ziel, durch Öffentlichkeitsarbeit … die Wetzlarer Bevölkerung für den Vereinszweck zu gewinnen, war fraglos mit diesem Produkt des Wetzlarer Dombau-Vereins erreicht worden. Der Verkaufserlös kam der Restaurierung der mittelalterlichen Plastik des "Kreuztragenden Christus" zugute.

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Der "Kleine Domführer", der in erster Auflage 1992 erschien

"Der Dom zu Wetzlar" – die erste Videoproduktion des Wetzlarer Dombau – Vereins

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Drei Broschüren des Wetzlarer Dombau – Vereins von Franz Schulten, Oda Peters und Gerhild Seibert

1995 präsentierte sich der Dombau-Verein mit einem Projekt, das Vorteile der lange zurückliegenden "Dombau-Plaketten" – Serie mit den bisher erarbeiteten Druckschriften verbinden sollte. Franz Schulten stellte unter dem Titel "Der Dom zu Wetzlar – Erbe und Aufgabe" eine 60seitige Broschüre vor, die in schlanker Gestalt, aber mit reicher Bebilderung und in einem auffälligen, nämlich quadratischen Format ungewöhnlich wirkte. Sie stellte den Wandel des Kircheninnern im Lauf von sieben Jahrhunderten dar und erinnerte zugleich an die drei Wetzlarer Dombau-Vereine, in denen sich das bürgerschaftliche Interesse am Dom und seiner Erhaltung bisher manifestiert hatte [28]. Die Broschüre war als Teil 1 einer losen Folge weiterer Hefte in gleichem Layout angelegt. Tatsächlich konnte als Teil 2 im Jahr 1999 ein Beitrag von Oda Peter unter dem Titel "Der Dom zu Wetzlar – Kunstwerke aus fünf Jahrhunderten" und als Teil 3 in Jahr 2004 ein Beitrag von Gerhild Seibert unter dem Titel "Der Dom zu Wetzlar – Chorfenster" die kleine Reihe weitergeführt werden.

In den beiden folgenden Jahren war wichtiger Ereignisse in der Vereins- und in der Stadtgeschichte zu gedenken: Der heutige – dritte – Dombau-Verein feierte 1996 sein fünfzigjähriges Bestehen und 1997 war die 1.100. Wiederkehr der Weihe der allerersten Wetzlarer Kirche zu feiern, jener Salvatorkirche von 897, deren Baureste sich tief unter dem Boden der heutigen Kirche befinden. Feiern dieser Art dienen nicht alleine der Erinnerung an die Daten und Vorgänge, auf die sie Bezug nehmen, sondern sie bieten auch Gelegenheit, die geleistete Vereinsarbeit, gegenwärtige Aktivitäten und geplante Vorhaben in der Öffentlichkeit vorzustellen, die Zusammengehörigkeit der Vereinsmitglieder zu stärken und die Leistungen von Spendern und Sponsoren öffentliche zu würdigen. Der Magistrat der Stadt Wetzlar ehrte den Verein durch einen Empfang im Festsaal des Palais Papius [29].

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Der kreuztragende Christus Andachtsbild aus dem 1. Drittel des 15. Jahrhunderts

Im Mittelpunkt der Aktivitäten 1996 stand die Restaurierung des mittelalterlichen Andachtsbildes "Der kreuztragende Christus". Die lebensgroße Plastik stellt Christus das, der unter der Last des Kreuzes gebeugt schreitet, während ihm Simon von Kyrene das Kreuz tragen hilft. Den Regeln der mittelalterlichen "Bedeutungsperspektive" folgend ist die Gestalt des Simon von Kyrene gegenüber der von Christus deutlich verkleinert. Die relative "Handlichkeit" des Simon führte 1983 dazu, dass die Figur Opfer eines Diebstahls wurde. Der Vorstand des Dombau-Vereins hatte nun beschlossen, die Restaurierung der Figur des Christus samt dem gemeinsamen Sockel in der Würzburger Werkstatt von Peter R. Bracher durchführen zu lassen, die Figur des Simon von Kyrene aber durch den Bildhauer Heinz Müller (Brühl) nachschnitzen zu lassen. Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes wurde die Neuaufstellung des komplettierten und restaurierten Andachtsbildes im Nordflügel des Querhauses des Wetzlarer Doms festlich begangen [30].

Es hatte sich bei der Produktion des 1994 fertig gestellten Dom-Videos gezeigt, dass die Vermittlung der Baugeschichte der heute bestehenden Kirche dadurch überaus kompliziert wird, dass die Bauherren nach längeren Unterbrechungen des Baugeschehens keineswegs einen bestehenden Bauplan abschließend umsetzen, sondern für die Fortsetzung zumeist einen neuen, dem jeweiligen Zeitgeschmack entsprechend "moderneren" Bauplan zugrunde legten. Jeder dieser Baupläne hätte, wäre er vollständig umgesetzt worden, eine ganz andere Kirche entstehen lassen. Die Forschung hat sieben solcher teilweise stark von einander abweichender Baupläne ausmachen können [31].

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Video zur Baugeschichte des Wetzlarer Doms, entstanden in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Wiesbaden, Fachbereich Gestaltung 1997

Im Vorstand entwickelte sich die Idee, mit den Mitteln der Digitalisierung und der Computeranimation die Baugeschichte des Wetzlarer Doms in den wesentlichen Schritten nachzuvollziehen und zusätzlich einige der unterschiedlichen Baupläne vollständig umgesetzt darzustellen. Ein solches Projekt bedurfte in jedem Fall professioneller Hilfe. Der Dombau-Verein fand sie bei Prof. Dr. Falk Krebs und Dipl. Designer Edgar Brück von der Fachhochschule Wiesbaden. Gemeinsam mit einer Reihe von Studentinnen und Studenten des Studiengangs Architektur wurde das Projekt als Semesterarbeit umgesetzt, nachdem auch in diesem Fall das "Drehbuch" in Wetzlar entstanden war. Anlässlich der Mitgliederversammlung im Mai 1997 konnte die Präsentation der computeranimierten Baugeschichte des Wetzlarer Doms für den 6. Oktober angekündigt werden [32]. Im Rahmen eines umfangreichen Veranstaltungsprogramms vom 1. – 19. Oktober, an dessen Realisierung sich die Stadt Wetzlar, die beiden Domgemeinden, der Wetzlarer Geschichtsverein und die Städtischen Sammlungen beteiligten, wurde das Video zur Baugeschichte pünktlich zum angekündigten Zeitpunkt im Stadthaus am Dom vorgestellt. Der Erfolg war überwältigend und entschädigte alle Beteiligten, vor allem aber die Studenten aus Wiesbaden, für ihren hohen persönlichen Einsatz. Eine ungeplante und deshalb umso wirkungsvollere Bereicherung erfuhr die Präsentation des Videos durch die Nachricht, dass die 1983 aus dem Dom entwendete Originalskulptur des Simon von Kyrene wenige Tage zuvor in einer Giessener Antiquitätenhandlung von der Polizei sicher gestellt worden war und nun den Gemeindevertretern zurück gegeben werden konnte [33].

Im gleichen Jahr wurde auch das bedeutendste Kunstwerk im Dom, die aus dem letzten Drittel des 14. Jahrhunderts stammende überlebensgrosse "Pietà", nach gründlicher Reinigung und Festigung der Farbfassung wieder an ihren Standort, die Johanneskapelle, zurück gebracht. Der Dombau-Verein hatte die Gesamtkosten der Restaurierung übernommen.

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Die Pietà im Wetzlarer Dom um 1370/1380

Eine schöne Fortsetzung der Bemühungen des Dombau-Vereins um Erhaltung und Ausgestaltung des Doms folgte in den nächsten beiden Jahren: Im Juni 1997 riefen der Vorsitzende und sein Vertreter gemeinsam brieflich und persönlich Wetzlarer Firmen und Institutionen auf, den Neuguss einer kleineren Glocke zu bezuschussen. Sie sollte im Dachreiter über der Vierung ihren Platz finden und dort das Geläut zweier Glocken vervollständigen, die ihrerseits zu einem vierteiligen Glockensatz im Südturm des Doms gehörten. Im April 1998 wurde der Guss durch die traditionsreiche Firma Rincker in Sinn ausgeführt; zahlreiche Mitglieder des Vereins und die Geistlichen beider Konfessionen wohnten dem Guss bei. Im Dezember desselben Jahres konnte Werner Volkmar über die Komplettierung des Wetzlarer Domgeläuts berichten [34]. Er bezog sich dabei auf Studien und einen Vortrag von Franz Schulten. Als Stifter des Glockengusses war die Wetzlarer Firma Globus aufgetreten. Die neue Glocke erhielt den Namen "Ökumene-glocke".

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Die "Ökumeneglocke" ein Geschenk der Fa. Globus, Wetzlar, 1998

In den nachfolgenden Jahren beanspruchte neben der dringend erforderlichen Restaurierung der Domorgel im Innern die "Außenhaut" des Doms erneut die Aufmerksamkeit aller für seinen Erhalt Verantwortlichen. Eine Neueindeckung des Doms mit einem Kostenvolumen von ca. 2 Mio. DM war erforderlich. Der der Verein leistete Zuschüsse von 20.000 DM im Jahr 2000 und 70.000 DM im Folgejahr. Die umweltbedingten Schäden am Heidenportal und am Heidenturm erforderten zunächst eine grundlegende wissenschaftliche Untersuchung und nachfolgend die Sanierung auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse. Beide Maßnahmen - Sanierung des Heidenportals und des Heidenturms – wurden vom Dombau-Verein 2009 mit über 150.000 € bezuschusst. Es bleibt anzumerken, dass sich auch die Mitgliederzahl erholt hat. Sie lag 2010 bei 330 Mitgliedern.

Es ist unumgänglich, dass jeder Verein, der mit Erfolg seine Ziele in der Öffentlichkeit vertritt, sich auch den Veränderungen stellen muss, die der gesellschaftliche Wandel mit sich bringt. Unter Ruth Viehmann sind deshalb Projekte in den Mittelpunkt der Vereinsaktivitäten gerückt, die diesem Wandel auf verschiedenen Ebenen Rechnung tragen: Der technische Fortschritt hat z. B. dazu geführt, dass in der Verbrauchergunst heute die DVD an die Stelle des Videos getreten ist. Deshalb mussten die beiden Domvideos in das neue digitale Format überführt werden, wenn sie weiterhin Käufer finden sollten.

Auch in der Vermittlung historischer Kenntnisse sind Veränderungen eingetreten. Sie betreffen sowohl die "Zielgruppen" als auch die Vermittlungswegw. Galten früher Erwachsene als Interessenten für Historisches und Kunstgeschichtliches und Jugendliche nur insoweit, als sie sich als Studierende für Gegenstände einer "gehobenen" Bildung zu interessieren hatten, so hat sich gegenwärtig die Situation völlig verändert, ist aber keineswegs einfacher geworden. Wissenschaftliche Bücher werden in aller Regel nur noch von Erwachsenen gelesen. In das Blickfeld der Bildungspolitik sind aber die jüngeren Menschen getreten, eine Zielgruppe, die man umso sicherer erreicht, wenn man sie möglichst früh auf eine ihrer Interessenlage gemäße Weise an historische Sachverhalte heranführt. Vor dieser Einsicht wurde von Ruth Viehmann ein Domführer für Kinder in Auftrag gegeben, konzipiert und hergestellt. Das Interesse auch von Schulen an diesem "kindgerechten" Material zeigt, dass der Weg in die richtige Richtung führt.

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Das transportable Dommodell, ein Geschenk der Fa. Meyer & Sohn, Wetzlar

in weiterer Versuch, Kenntnisse nicht nur medial zu vermitteln, sondern unmittelbar sinnlich erfahrbar zu machen, wurde von der Presse mit Beifall aufgenommen und hat inzwischen seine Werbewirksamkeit unter Beweis gestellt: die Entwicklung eines transportablen Dommodells. In über 100 Arbeitsstunden fertigte die Bau- und Möbelschreinerei Emil Meyer & Sohn das Modell aus Fichtenholz und verleimten Sperrholzplatten. Ein farbiger Schutzanstrich stellt sicher, dass das detailgenaue Modell angefasst und so z. B. auch von Sehbehinderten "ertastet" werden kann. Auf dem Hessentag 2012 konnte es als vielbeachteter Blickpunkt öffentlich für den Dom werben [35]. Dass die Herstellerfirma, ein alteingesessener Wetzlarer Handwerksbetrieb, dem Dombau-Verein das Modell zum Geschenk machte, belegt ein weiteres Mal die enge Verbundenheit der Bürgerschaft mit "ihrem" Dom.

Dem Hessentag als dem "größten Fest der Hessen", das 2012 in Wetzlar gefeiert wurde, war auch eine Aktivität der Sparkasse Wetzlar gewidmet, die mit einer Zuwendung an den Dombau-Verein gekoppelt war. Die Sparkasse Wetzlar bott die offizielle Hessentags-Medaille 2012 in Silber und Gold an und überwies aus dem Verkaufserlös jeder Medaille dem Dombau-Verein einen festen Betrag als Spende.

Nach zeitgerechten Maßnahmen verlangt auch die Mitgliederwerbung und –bindung. Vielfach ist heute ein Erlebnis mit positiver emotionaler Qualität wichtiger als die mediale Vermittlung reiner Information. Deshalb organisiert der Dombau-Verein in loser Folge für seine Mitglieder und für Interessenten Vorträge und Exkursionen zu bedeutenden Kirchen und anderen sakralen Bauwerken. Geselliges Beisammensein und gemeinsam gewonnene Erfahrungen und Einsichten beleben das Empfinden der Vereinszugehörigkeit. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang das anhaltende Engagement von Vereinsmitgliedern, die sich täglich als Aufsichten und Ansprechpartner im Dom zur Verfügung stellen. Sie vermitteln Besuchern auf diese Weise ein sehr persönliches Erlebnis, machen die Bereitstellung von elektronischen Informationshilfen entbehrlich und steigern nicht zuletzt die Sicherheit der sakralen Gegenstände und der im Dom vorhandenen Kunstwerke.

Wichtig bleibt allerdings nach wie vor die Einwerbung von Spenden und Zuschüssen. Immer wieder haben Wetzlarer Bürgerinnen und Bürger dem Dombau-Verein bedeutende Legate zugewendet. In jüngerer Zeit ehrt der Verein solche Personen mit einer Bronzeplakette im sog. Heidenhof. Zu den wirkungsvollsten vertrauensbildenden Merkmalen des Dombau-Vereins gehört ganz sicher, dass die Vorstandsmitglieder und alle Helferinnen und Helfer ihre Aufgaben ehrenamtlich erfüllen. Damit ist sichergestellt, dass Mitgliedsbeiträge, Spenden und Legate ausschließlich und in vollem Umfang den satzungsgemäßen Zwecken zugeführt werden.

Die zielstrebige ehrenamtliche Arbeit des Vereins fand mehrfach öffentliche Beachtung: 1996 wurde er für den Hessischen Denkmalschutzpreis vorgeschlagen und 2012 konnte Ruth Viehmann mit einer kleinen Delegation in Schloss Biebrich den Ehrenamtspreis in der Denkmalpflege für den Wetzlarer Dombau-Verein entgegen nehmen. Mit der Ehrung war ein Geldpreis von 2.000 € verbunden.

Im Rückblick auf die Geschichte der drei Wetzlarer Dombau-Vereine zeigte sich, wie bürgerschaftliches Engagement sich selbst organisiert und zunächst die landesherrlichen Gnadenerweise ablöst. Später stellt der Verein seine Aktivitäten gleichberechtigt an die Seite staatlicher Hilfsmaßnahmen. Der Gedanke einer kontinuierlichen Bereitschaft zur Hilfe an Stelle punktuellen Eingreifens bei extremer Gefährdung oder Beschädigung des Bauwerks hat sich langsam entwickelt, bedarf aber ständiger Erinnerung und Belebung. Diese Aufgabe kann wirkungsvoll nur erledigt werden, wenn sie den gesell-

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Verleihung des Ehrenamtspreises der Hessischen Denkmalpflege an die Vorsitzende des Wetzlarer Dombau – Verein 2012 in Schloss Biebrich

schaftlichen Wandel berücksichtigt, die Achtung vor dem bedeutendsten historischen Bauwerk in der Stadt stärkt und die tätige Hilfe bei der Unterhaltung dieses kostbaren Erbes zu einer Herzensangelegenheit für Bürgerinnen und Bürger und die zahlreichen Gäste in der mittelhessischen Stadt macht.

Anmerkungen

[1] Es sind dies die im Literaturverzeichnis genannten Arbeiten von H. Gloël und E. Sebald, insbesondere aber die Darstellung von F. Schulten (Schulten 1995)

[2] Detaillierter Bericht über die Renovierung von 1838/39 des evangelischen Teils der Kirche vgl. Schulten 1995, S. 31 ff.

[3] Die Summe von 1.500 Rth. wurde von König Friedrich Wilhelm III. als Gnadengeschenk überwiesen. Vgl. Gloël 1925, S. 70

[4] Über die Streitigkeiten zwischen den beiden Gemeinden die Lettnerorgel betreffend berichtet anschaulich Schulten 1995, S. 34 f.

[5] Es ist nicht uninteressant, dass einige der Unterzeichner des Aufrufs von 1857 auch 1863 dazu aufriefen, das inzwischen bedrohlich verwahrloste Lottehaus vor dem Verfall zu retten. Offenbar hatte sich in Teilen der Bürgerschaft ein Bewusstsein für schützens- und erhaltenwerte materielle Zeugnisse der städtischen Traditionen herausgebildet, das als wichtige Vorstufe für ein gesellschaftliches Engagement wie die Gründung eines Vereins anzusehen ist. In diesen Zusammenhang gehört auch die Gründung des ersten Wetzlarer Geschichtsvereins auf Anregung von Paul Wigand, der zunächst wohl auch die treibende Kraft bei der Gründung des Dombau-Vereins war.

[6] In seinem Aufsatz "Von deutscher Baukunst" (1823) bekundete z. B. Goethe lebhaftes Interesse an dem Projekt der Fertigstellung des Kölner Doms auf der Grundlage der wieder aufgefundenen mittelalterlichen Fassadenaufrisse. Am 25. Juli 1815 hatte er gemeinsam mit dem Freiherrn vom Stein und Ernst Moritz Arndt den Kölner Dom besucht und zeigte sich stark beeindruckt von Wirkung des noch unvollendeten Bauwerks.

[7] Zum vorgetragenen Zusammenhang vgl.: Schulten 1995, S. 8 ff.
Erklärungsbedürftig bleibt der Umstand, dass nach dem Aufruf zur Gründung eines Dombau – Vereins am 19. Juni 1857 bereits am 29. Juni die Vereinsgründung erfolgt sein soll und der geistige Vater dieses Vereins, Paul Wigand, 1862 in seinem Reiseführer Wetzlar und das Lahntal schreibt: Es ist nämlich ein Dombau-Verein gegründet worden, wenig später aber von einem Plan … zur Gründung eines Vereins, der sich des verlassenen Denkmals ernstlich annehmen soll berichtet. Weil Vereinsgründungen nach dem preußischen Gesetz vom 11. März 1850, das Vereins- und Versammlungsrecht betreffend, in mehreren, von den Behörden genau überwachten Schritten erfolgten (Antrag zu Gründung eines Vereins, Wahl eines vorbereitenden Ausschusses aus einer genehmigten Bürgerversammlung, Benennung eines Arbeitskreises aus Ausschussmitgliedern zur Erarbeitung der Satzung/der Vereinsstatuten, behördliche Genehmigung der Satzung/Statuten, Eintragung der zukünftigen Mitglieder in eine Mitgliederliste, Wahl eines Vorstands auf der Grundlage der Mitgliederliste, Eintragung in das Vereinsregister), ist es durchaus denkbar, dass Wigand einerseits bereits die ersten vorbereitenden Aktivitäten zur Vereinsgründung als Vereinstätigkeiten ansah, andererseits als Jurist natürlich wusste, dass die behördliche Genehmigung der Statuten und damit der Abschluss der Vereinsgründung noch ausstand, man also vom "Plan… zur Gründung eines Vereins" sprechen musste.

[8] Zum Verlauf der Gründung des zweiten Wetzlarer Dombau–Vereins vgl. Gloël 1925, S. 70 ff. sowie Schulten 1995, 10 ff. und Philipp A. Rappaport, Unser Dom. Erinnerungsblatt zur Einweihung des wiederhergestellten Domes am 10. und 11. Dezember 1910. Wieder abgedruckt in: Jung 1996, S. 29 – 36, bes. S. 32 f.

[9] Schulten 1995, S. 10 f. – Die "Dombauhofsprovision", der traditionsgemäß die Finanzierung der Bau- und Unterhaltungskosten oblag, wurde erst wieder 1914 – jetzt unter dem Namen "Dombauverwaltung" - in ihre Pflichten eingesetzt. Zuvor erstellte der Dombau-Verein noch eine "Verwaltungsordnung" für die Dombauverwaltung, die eine Geschäftsstelle im Landratsamt erhielt.

[10] Die Anteilnahme der kaiserlichen Familie an Bau- und Renovierungsprojekten im Bereich der Evangelischen Kirche war bekannt. Kaiserin Auguste Viktoria, volksläufig "Kirchenjuste" genannt, war seit 1888 Protektorin über den Evangelischen Kirchenbauverein, in dem sie durch ihren Hofmeister Ernst Frhr. von Mirbach vertreten wurde. Mirbach war durch seine erfolgreichen Spendensammelaktionen bekannt.

[11] Als Augenzeuge berichtete erstmals Gloël 1925, S. 71 ff. über die Baumaßnahmen und die getroffenen gestalterischen Lösungen. Über die Veränderungen im Inneren und am Äußeren des Doms nach den Wiederaufbau der 1945 kriegszerstörten Partien des Gebäudes ist nachzulesen bei Wahl 1967, S. 463-468 und Abb. 99-104. Danach hat Franz Schulten in verschiedenen Publikationen über die Geschichte der Kirche in baulicher Hinsicht berichtet, zuletzt in Schulten 1995. Eine hilfreiche Zusammenfassung auch bei Sebald 1995 S. 78 ff.

[12] Der – ungenannte – Verfasser des Artikels vom 8.Mai 1863 konnte sich noch erinnern, dass die Akustik bis 1838/39 günstiger war und sich erst mit dem Ausbau der hölzernen Emporen aus der Reichkammergerichtszeit hörbar verschlechterte.

[13] Berichte in der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 25.5.1951 und in der Frankfurter Rundschau vom 26.5.1951

[14] So der Aufruf des Dombau-Vereins "Ein Dom ist in Gefahr" in der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 13. August 1949 und der Bericht "Domgeschichte – Leidensgeschichte" in der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 13. August 1949

[15] Bericht der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 1. Dezember 1961 anlässlich der Jahreshauptversammlung des Dombau-Vereins

[16] Bericht in der Frankfurter Rundschau vom 26. Mai 1951
[17] Bericht der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 4. März 1955

[18] Vgl. zu den Fenstern des Chorpolygons ausführlich Seibert 2004. Die Bereitschaft, der Moderne im Kircheninnern größeren Raum zu gewähren, war allerdings begrenzt: Das Angebot der Stiftung eines Kruzifixes von Ernst Barlach durch die Familie Leitz wurde nicht angenommen. Das Kunstwerk befindet sich heute noch in Haus Friedwart.

[19] Berichte der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 29.6. und 1.7. 1977. Der Vortrag des Satadtarchivars Herbert Flender ist abgedruckt in der Beilage "Heimat an Lahn und Dill" der Wetzlarer Neuen Zeitung, Ausgabe Juli 1977

[20] Der Gedanke einer Lotterie zugunsten des Dombaus lebte in wirtschaftlich besseren Zeiten unter dem Vorsitzenden Winfried Simon noch einmal auf: 1975 erbrachte eine entsprechende Lotterie einen erfreulichen Gewinn von 26.000 DM, blieb jedoch weit hinter den Ergebnissen der früheren Lotterien zurück. Das Instrument der Lotterie zur Mitteleinwerbung für die Erhaltung historischer Bauwerke schien den Höhepunkt seiner Einsatzmöglichkeit überschritten zu haben.

[21] Bericht der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 4. März 1955
[22] Bericht der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 28. April 1989.
[23] Bericht der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 31. Januar 1996
[24] Bericht der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 28. April 1989
[25] Bericht der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 12. März 1991
[26] Berichte der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 6. August 1992 und vom 17. Dezember 1992

[27] Berichte im Lahn-Dill-Anzeiger vom 27. Juli 1994, im Sonntag-Morgenmagazin vom 24. juli 1994 und in der Wetzlarer Neue Zeitung vom 21. Juli 1994. Die Wetzlarer Neue Zeitung berichtete am 22. September 1994 über das Erscheinen der Videokassette "Der Dom zu Wetzlar".

[28] Bericht der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 24. Mai 1996
[29] Bericht der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 25. Mai 1996
[30] Bericht der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 29. Mai 1996

[31] Sebald 1989, S. 32

[32] Berichte der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 19. April 1997 und vom 23. Mai 1997

[33] Berichte der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 4. Oktober 1997, vom Sonntag-Morgenmagazin vom 5. Oktober 1997 und von der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 6. Oktober 1997. Das wieder aufgefundene Original befindet sich im Stadt- und Industriemuseum; die Nachbildung wurde im Dom belassen.

[34] Werner Volkmar: Das Geläut des Wetzlarer Doms ist wieder komplett. In: Heimat an Lahn und Dill Nr. 376, Ende Dezember 1998

[35] Bericht der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 16. April 2012

Literatur

Gloël 1925
Heinrich Gloël: Der Dom zu Wetzlar. Wetzlar 1925

Jung 1996
Otto Jung: 50 Jahre Wetzlarer Dombau – Verein e. V., Dokumentation zum 50jährigen Jubiläum 1946 – 1996 Wetzlar: Dombau – Verein 1996

Peter 1999
Oda Peter: Der Dom zu Wetzlar. Kunstwerke aus fünf Jahrhunderten. Wetzlar: Wetzlarer Dombau –Verein 1999

Schulten 1995
Franz Schulten: Der Dom zu Wetzlar. Erbe und Aufgabe. Wetzlar: Wetzlarer Dombau – Verein 1995

Sebald 1989
Eduard Sebald: Der Dom zu Wetzlar. Mit Aufnahmen von Jutta Brüdern. Königstein i. Ts.: Karl Robert Langewiesche Nachfolger Hans Köster KG 1989

Seibert 2004
Gerhild Seibert: Der Dom zu Wetzlar. Chorfenster. Wetzlar: Wetzlarer Dombau – Verein 2004

Wahl 1967
Rudolf Wahl: Wiederaufbau und Ausstattung des Domes zu Wetzlar (1950 – 1960) In: Festschrift für Alois Thomas. Archäologische, kirchen- und kunsthistorische Beiträge. Zur Vollendung des 70. Lebensjahres am 18. Januar 1966. Trier: Selbstverlag des Bistumsarchivs 1967. S. 463 ff. und Abb. 99 - 104

Bildnachweis

Historisches Archiv der Stadt Wetzlar: 2, 7, 8, 10, 11, 12, 14, 17, 19, 23
Günter Jung: Titelabb., 15, 33
Städtische Museen Wetzlar: 4, 5, 6
Wetzlarer Dombau–Verein: 24, 25, 27, 28, 29, 30, 31, 32, 34, 36







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