GESCHICHTE



Rundgang (incl. Lageplan)

Nach Betreten des Doms und einem ersten kleinen Rundblick können Sie ihren Rundgang mit Blick auf die Orgel starten. Der rote Punkt kennzeichnet ihre aktuelle Position. Folgen Sie anschliessend dem grünen Punkt im Lageplan neben jeder Bildstation.

1 - Orgel
1 - Orgel

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1 - Orgel

In älterer Zeit verfügten beide Kirchengemeinden über eine eigene Orgel, doch fielen beide Instrumente 1945 den Kriegszerstörungen zum Opfer. Die Wetzlarer Industriellenfamilie Leitz stiftete 1954/55 eine gemeinsame Orgel für beide Gemeinden. Sie ist ein Werk der Orgelbauwerkstatt Rudolf v. Beckerath, Hamburg, und orientiert sich stilistisch am Klangideal norddeutscher Barockorgeln. Das kürzlich grundlegend überholte Werk verfügt über 49 klingende Stimmen in Hauptwerk, Brustwerk, Rückpositiv und Pedal.

2 - Zunftleuchter
2 - Zunftleuchter

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2 - Zunftleuchter

Sie sehen richtig: Dies ist gar kein Leuchter! Ob es jemals einer war, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Als gut sichtbares Geschenk der sieben Wetzlarer Zünfte soll das Kunstwerk nach 1520 zur Ehre der Kirchenpatronin Maria in die Kirche gelangt sein. Sieben Engel in der liturgischen Tracht der Diakone umstehen die Himmelskönigin Maria. Von langen Spruchbändern verkünden sie die sieben Wundertaten Christi. Christus selbst erscheint als segnendes Kind auf dem rechten Arm seiner Mutter Maria, die selbst in einer Strahlenglorie auf der Mondsichel stehend dargestellt ist. Mit der Siebenzahl werden zahlreiche christliche Glaubensinhalte symbolisch verknüpft.

3 - Barockkanzel
3 - Barockkanzel

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3.1 - Barockkanzel
3.2 - Johannes der Täufer

Um 1700 entstand die barocke Kanzel. In fünf intarsierten hölzernen Bildfeldern unterhalb der Brüstung sind Christus und die vier Evangelisten gegenwärtig. Nach kriegsbedingten Schäden musste zwar der Schalldeckel erneuert werden, doch die bekrönende Figur, die Johannes den Täufer darstellt, erhielt ihren ursprünglichen Platz zurück.

3 - Barockkanzel

4 - Kreuzigungsgruppe
4 - Kreuzigungsgruppe

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4 - Kreuzigungsgruppe

Im Bogen, der die Vierung vom Chor trennt und „Triumphbogen“ genannt wird, sehen Sie in der Höhe eine mehrfarbige Kreuzigungsgruppe mit Christus am Kreuz, seiner Mutter Maria links und dem Jünger Johannes rechts. Die Figuren entstanden im späten 15. Jahrhundert und befanden sich zunächst an der Michaelskapelle. Sie sind restauriert und in den 1980er Jahren neu zusammengestellt worden. Das Kreuz zeigt nicht nur einen Totenschädel als Hinweis auf die Hinrichtungsstätte Christi, sondern erwächst aus Wurzelranken und Knospen zu einem Lebensbaum.

5 - spätromanisches Taufbecken
5 - spätromanisches Taufbecken

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5 - spätromanisches Taufbecken

In der Nikolauskapelle neben dem Chor treffen Sie auf das älteste Ausstattungsstück der Kirche, den Taufstein. Er stammt noch aus der romanischen Vorgängerkirche und ist im 12. Jahrhundert aus einem einzigen Block eines blasigen vulkanischen Gesteins („Lungenstein“) gearbeitet worden. Sein Umfang oben beträgt vier Meter. Ein einfacher Fries aus doppelten Hufeisenbögen schmückt den Taufstein.

6 - Nikolauskapelle
6 - Nikolauskapelle

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6 - Nikolauskapelle

Heute wird die Folge von zwei Kapellenräumen rechts des Chors als Nikolauskapelle bezeichnet. Früher nannte man die durch ein aufwändig gestaltetes Säulenportal mit dem Chor verbundene Kapelle „Muttergotteskapelle“; die hintere hieß „Nikolauskapelle“. Hier befindet sich heute der romanische Taufstein. Die leuchtend farbigen figürlichen Fenster mit Motiven aus der Nikolaus-Legende wurden von Erhardt Klonk (1898-1984) gestaltet. Er schuf auch die ornamentalen Fenster mit den Buchstaben Α und Ω und dem Fischsymbol, die älteste christliche Glaubenstraditionen thematisieren. Das hohe bronzene Altarkreuz, ein Werk des Frankfurter Bildhauers Hans Mettel (1903-1966), wurde der evangelischen Gemeinde von der Wetzlarer Industriellenfamilie Leitz geschenkt.

7 - Madonna auf der Mondsichel
7 - Madonna auf der Mondsichel

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7 - Madonna auf der Mondsichel

Als Patronin der Wetzlarer Stifts- und Stadtkirche erscheint Maria mehrfach an den Kirchenportalen und im Kircheninnern. Diese schöne, wohl um 1480/90 entstandene Holzskulptur zeigt sie als gekrönte Himmelskönigin in einem weiten, golden gefütterten und gesäumten blauen Mantel. Mit der rechten Hand hält sie das Jesuskind. Ihr langes, offen über Rücken und Schultern herabfallendes Haar kennzeichnet sie als Jungfrau. Das Bild der auf der Mondsichel stehenden Maria stammt aus der Apokalypse des Johannes. Dort wird die Erscheinung einer Frau geschildert, die mit der Sonne bekleidet ist, den Mond zu ihren Füßen hat und eine Krone aus zwölf Sternen trägt. Sie wurde als Verkörperung der Kirche gedeutet und mit Maria identifiziert.

8 - Choraltar mit Tabernakel
8 - Choraltar mit Tabernakel

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8 - Choraltar mit Tabernakel

Nach der Wiederherstellung des kriegszerstörten Chors entwarf der Limburger Diözesanbaumeister Fritz Johannbroer den aus rötlichem Sandstein bestehenden Hochaltar. Der Tabernakel aus feuervergoldetem Kupferblech mit Bergkristallen wurde von einem Frankfurter Goldschmied gestaltet. Er entwarf auch das Altarkreuz, die sechs Leuchter und den hohen Leuchter für das ewige Licht.

9 - Die katholische Sakristei
9 - Die katholische Sakristei

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9 - Die katholische Sakristei

Wie die gegenüberliegende Nikolauskapelle entstanden auch die kath. Sakristei und die davor liegende Stephanuskapelle um 1230. Die Fenster in der Sakristei wurden gleichfalls von Erhardt Klonk gestaltet: Christussymbole wie das flammende Herz, ein Fisch, ein Anker und ein Kreuz bestimmen das Lanzettfenster. Das rechteckige Fenster mit den Buchstaben JHS (griechisch: ΙΗΣ) zeigt das Jesusmonogramm. Dies sind die ersten 3 Buchstaben des Namens "Jesus" auf griechisch. Im Lateinischen hat man das JHS später übersetzt mit "Jesus hominum salvator" = "Jesus, Retter der Menschen".

Zur Zeit nicht zugänglich.

10 - Die Stephanuskapelle
10 - Die Stephanuskapelle

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10 - Die Stephanuskapelle

Heute wird die Stephanuskapelle als Andachts- und Beichtkapelle der kath. Domgemeinde benutzt. Ins Auge fällt das zweibahnige Lanzettfenster in Rot- und Grautönen, das Erhardt Klonk gestaltet hat. Er verwendete den Ausruf des Märtyrers „Ecce video coelos apertos et filium hominis stantem a dextris Dei“ (Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen). Bis zum frühen 16. Jahrhundert wurde im Wetzlarer Dom eine bedeutende Reliquie des Heiligen verehrt.

11 - Heilige Katharina/Heilige Maria Magdalena
11 - Heilige Katherina

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11.1 - Heilige Katharina
11.2 - Heilige Maria Magdalena

Sicher im Kirchenraum aufgehoben sind heute die beiden Steinplastiken vom frühgotischen Südportal, durch das Sie die Kirche betreten haben. Ersatzweise stehen dort Repliken aus wetterfestem Kunststein. Die Frau mit einem runden Salbengefäß stellt Maria Magdalena dar. Ihr gegenüber finden Sie die hl. Katharina mit Krone und Buch. Beide Frauen stehen auf dem Rücken kauernder Figuren: Magdalena zum Zeichen ihres Sieges über die Sünde auf dem Teufel, die hl. Katharina auf einem Kaiser, gegen dessen Begehren sie ihre Jungfräulichkeit verteidigte und darauf das Martyrium erlitt.

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11 - Heilige Maria Magdalena

12 - frühgotische Steinplastiken
12 - frühgotische Steinplastiken

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12 - frühgotische Steinplastiken

Die Figuren eines jugendlichen, bartlosen männlichen Heiligen (Apostel Johannes?) rechts und einer verheirateten, auf den Schultern eines Engels stehenden Frau (zum Himmel auffahrende Maria oder Maria Magdalena?) links entstanden wohl um 1250/60 und wurden möglicherweise von denselben Bildhauern geschaffen, die auch die Figuren am Südportal meißelten. Lange haben beide Figuren in der Stephanuskapelle gestanden, das belegen noch heute Farbreste an ihnen. Vielleicht gehörten ursprünglich beide Figuren zu einer Himmelfahrtsgruppe.

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12 - frühgotische Steinplastiken

13 - Gruppe Kreuztragender Christus
13 - Gruppe Kreuztragender Christus

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13 - Gruppe Kreuztragender Christus

Hier im nördlichen Querhaus treffen Sie eine besonders eindrucksvolle Figurengruppe. Sie stellt den kreuztragenden Christus dar, dem Simon von Kyrene das Kreuz tragen hilft. Die Gruppe entstand im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts und zählt zu den sog. „Andachtsbildern“. Der auffällige Größenunterschied zwischen beiden Figuren erklärt sich aus der mittelalterlichen „Bedeutungsperspektive“: Bedeutendes wurde größer dargestellt als weniger Bedeutendes.

14 - evangelische Sakristei
14 - evangelische Sakristei

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14 - evangelische Sakristei

Erst 1954 wurde als Gegenstück zur sog. Johanneskapelle am südlichen Seitenschiff eine Sakristei für die evangelische Domgemeinde an das nördliche Seitenschiff angebaut. Sie ist damit das jüngste Bauglied des Doms. Bis zu diesem Zeitpunkt befand sich die ev. Sakristei in einem Raum unter der Orgelempore.

Die Sakristei ist nicht öffentlich zugänglich.

15 - Die Johanneskapelle
15 - Die Johanneskapelle

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15 - Die Johanneskapelle

Wahrscheinlich um 1300 entstand diese Kapelle im Zwickel von südlichem Querhaus und südlichem Seitenschiff. Ihr Fenstermaßwerk wurde allerdings später eingesetzt. Sie enthält heute das wohl bedeutendste Kunstwerk des Wetzlarer Doms, die „Pietà“.

16 - Pietà
16 - Pietà

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16 - Pietà

Die monumentale Figurengruppe der trauernden Muttergottes, die ihren toten Sohn auf dem Schoß hält, entstand zwischen 1370 und 1380. Der Oberkörper des toten Christus ist steil aufgerichtet; Maria stützt den Kopf des Toten und wendet ihn zugleich leicht dem Betrachter zu. Das von Hungersnöten, Insektenplagen und Pestepidemien heimgesuchte 14. Jahrhundert kannte zugleich die Suche nach und die mystische Verbindung mit Gott. Bildwerke wie das Wetzlarer Vesperbild unterstützten die gefühlsmäßige Annäherung an den Schmerz der trauernden Gottesmutter. Der Name „Vesperbild“ ist vom klösterlichen Vespergebet zwischen 17 und 19 Uhr abgeleitet: In dieser Zeitspanne nahm Maria weinend Abschied von ihrem toten Sohn, dessen Grablegung sich anschloss.

17 - frühgotisches Portal
17 - frühgotisches Portal

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17 - frühgotisches Portal

Das nach Süden weisende Seitenschiff der Kirche wurde um 1250 fertiggestellt. Und mit ihm das früheste der drei Portale des Doms. Wahrscheinlich wurde es von Bauleuten aus Paderborn ausgeführt. Ein eindrucksvoll einfaches Figurenensemble stimmt den Eintretenden auf das christliche Heilsgeschehen ein: Oben im Spitzgiebel thront Christus als Weltenrichter. Zwei Engel mit dem Spruchband „Alpha et Omega“ schweben zu ihm herab. Ihm zur Seite stehen Kain (als Ackerbauer mit Fruchtkorb) und Abel (als Schafhirte mit Lamm). Im Rundbogen unterhalb Gottes steht auf einer Konsole Maria als die Patronatsherrin der Kirche. Unter ihr führt ein Teufel einen Juden davon, bzw., je nach Deutung, umschlingt ihn. Zwei weibliche Heilige (s. 12) sind der Eingangstüre zugewandt, zwei männliche Heilige – links der Apostel Jakobus mit einer Muschel als Pilgerzeichen d.Ä., rechts der Apostel Petrus mit großem Schlüssel – wenden sich den Ankommenden zu.

Antijüdische Darstellungen waren leider an Kirchen des Mittelalters nicht ungewöhlich. Eine von den beiden Kirchengemeinden rechts vom Portal angebrachte Tafel soll heute Mahnung für die Zukunft sein. Beide Gemeinden weisen darauf hin, dass sie sich inhaltlich von dieser antijüdischen Haltung abgrenzen.

18 - Turmportal (Südportal)
18 - Turmportal (Südportal)

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18 - Turmportal (Südportal)

Um 1380 entschloss man sich, ein eindrucksvolles Portal mit darüber liegendem Altan auf der dem Markt zugewendeten Südseite des Südturms anzulegen. Der geplante reiche Figurenschmuck dieses Portals blieb bruchstückhaft. Nur die Statuen der Apostel Paulus und Andreas (links) und Petrus und Johannes (rechts) sowie Maria am Mittelpfeiler wurden realisiert, die übrigen Konsolen und Baldachine blieben leer. Im Bogenfeld über dem Portal befindet sich eine Weltgerichtsdarstellung und über dem Altan eine Darstellung von Christus als Schmerzensmann. Vom Altan aus wurden den Gläubigen auf dem Marktplatz u.a. die im Kirchenschatz aufbewahrten Reliquien gezeigt.

19 - Westportal
19 - Westportal

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19 - Westportal

Eigentlich war dieses Portal als Haupteingang der Kirche vorgesehen. Von dem geplanten reichen Figurenschmuck wurden allerdings nur die Madonna am Mittelpfeiler und die beiden plastischen Bildstreifen im darüber liegenden Bogenfeld ausgeführt. Der untere zeigt die Anbetung der Hl. Drei Könige, der obere das Weltgericht, bei dem Maria als Fürbitterin dargestellt ist. In den beiden Bogenläufen sind die klugen und die törichten Jungfrauen (innen) und Propheten (außen) dargestellt. Das von Matthäus berichtete Gleichnis von den klugen Jungfrauen, die sich mit Lampenöl versorgt hatten und deshalb Einlass in den Hochzeitssaal fanden, während die törichten Jungfrauen, die dies versäumt hatten, nicht eingelassen wurden, galt als Illustration des Weltgerichts.

20 - Heidenportal
20 - Heidenportal

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20 - Heidenportal

Eine besondere „Folge“ der vielfach stockenden Ausführung des gotischen Kirchenbaus ist die Erhaltung großer Teile der Westfassade der Vorgängerkirche, einer spätromanischen Basilika. Bemerkenswert ist besonders das zweibogige Eingangsportal („Heidenportal“) mit der Mittelsäule aus Mendener Basalt, bekrönt von einem sog. Adlerkapitell. Der Adler ist das Symbol des Evangelisten Johannes. Über den beiden Portalbögen fällt ein merkwürdiges Rankenmotiv auf. Nicht ganz geklärt ist, ob das große gerahmte Feld über dem Portal für eine Inschrift vorgesehen war, in der sich das besondere Verhältnis der Stadt Wetzlar zu den staufischen Königen, insbesondere zu Friedrich Barbarossa, artikulierte.

21 - Michaelskapelle
21 - Michaelskapelle

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21 - Michaelskapelle

Erstmals 1292 wird die Michaelskapelle als Friedhofskapelle und Beinhaus erwähnt. Die Aufhebung von Gräbern in der unmittelbaren Umgebung der Kirche und die Sicherstellung der dabei aufgefundenen Gebeine waren vor Beginn des gotischen Kirchenneubaus erforderlich, weil die neue Kirche einen deutlich größeren Grundriss erhalten sollte. Die Gebeine wurden im Erdgeschoss der Kapelle aufbewahrt. Die Westseite der Kapelle schmückt eine Kreuzigungsgruppe, die wegen der Qualität ihrer Ausführung der Mainzer Bildhauerwerkstatt des Hans Backoffen zugeschrieben wird.







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